Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie
1.0.0-ballot - Ballot
Germany
Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie - Local Development build (v1.0.0-ballot) built by the FHIR (HL7® FHIR® Standard) Build Tools. See the Directory of published versions
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Liefergegenstand LG-01 des Gematik-Auftrags C002717 (BIH-CEI). Dieser Bericht analysiert sechs internationale und nationale FHIR-/Standardisierungs-Quellen auf Übertragbarkeit für die deutsche Spezifikation „Onkologische Therapieziele" und leitet daraus die Architekturentscheidung für diesen Implementation Guide ab.
Stand: Entwurf · Mai 2026
Projektleitung: Sylvia Thun · Technische Leitung FHIR: Thomas Debertshäuser
Die Original-Fassung (Markdown-Master und docx) liegt im Repository unter docs/L01-Analyse/.
Die Spezifikation „Onkologische Therapieziele" wurde am 02.04.2026 von der gematik (Vertrag C002717) beauftragt. Sie soll bis 30.09.2026 als FHIR-Implementation-Guide vorliegen, ergänzt um ein Konzept zur MII-Integration. Dieser Analysebericht (LG-01) bildet die Grundlage für die Anforderungserhebung im ersten Workshop und für das Informationsmodell sowie den IG-Entwurf in den Folgephasen.
Untersucht wurden sechs internationale und nationale FHIR-/Standardisierungs-Quellen, mit Fokus auf Übertragbarkeit auf die deutsche Versorgungsrealität:
Pro Quelle ist die Analyse einheitlich strukturiert: übertragbares Muster, Anwendungsbeispiel, Lücken & Lösungsansätze, direkt übernehmbare Elemente, Fazit "Was nutzen wir warum", Quellen. Den Quellen folgt eine Synthese mit Architekturentscheidung.
Baustein für Liefergegenstand LG-01 · Gematik-Auftrag · BIH-CEI
Quelle: HL7 Minimal Common Oncology Data Elements (mCODE) Implementation Guide v4.0.0 (STU4, publiziert 16.02.2025, FHIR R4, US-Realm, Lizenz CC0-1.0). Träger: CodeX FHIR Accelerator (MITRE Corporation + American Society of Clinical Oncology). Canonical: hl7.org/fhir/us/mcode · Build IG: build.fhir.org/ig/HL7/fhir-mCODE-ig
Status: STU4, der bislang umfangreichste Release. Rund 53 FHIR-Profile in sechs Domänen, über 103 ValueSets, mehr als 130 Beispiele. Internationaler Referenzstandard für die strukturierte Modellierung onkologischer EHR-Daten.
mCODE adressiert insbesondere:
Für unsere Spec ist mCODE damit der zentrale Bezugspunkt zur internationalen Vergleichbarkeit oncologischer Datenstrukturen – insbesondere für ProcedureIntent, DiseaseStatus und die genomische Verknüpfung.
mCODE ordnet onkologische Daten in sechs miteinander verknüpfte Domänen an, das CancerPatient-Profil ist der zentrale Knoten.
| Domäne | Schlüsselprofile | Scope |
|---|---|---|
| Patient Information | CancerPatient, HumanSpecimen, MCODEPatientBundle, MCODEPatientGroup | Demografie, Proben, Patient-Bundles für Datenaustausch |
| Disease Characterization | PrimaryCancerCondition, SecondaryCancerCondition, CancerStage, TNMStageGroup, TumorMarkerTest, Tumor, TumorSize, HistologicBehaviorAndType, HistologicGrade, TumorMorphology, CancerRiskAssessment | Diagnose, Staging (TNM + 15 Nicht-TNM-Systeme), Morphologie, Risikoassessment |
| Health Assessment | ECOGPerformanceStatus, KarnofskyPerformanceStatus, LanskyPlayPerformanceStatus, DeauvilleScale, BodySurfaceArea, Comorbidities, HistoryOfMetastaticCancer | Funktionsstatus, pädiatrisches Performance-Assessment, Lymphom-Response, Body-Metriken |
| Genomics | GenomicsReport, GenomicVariant, GenomicRegionStudied | Genomische Testergebnisse, Varianten (HGVS/ISCN), untersuchte Regionen; kompatibel mit Genomic Reporting IG |
| Cancer Treatments | CancerRelatedMedicationRequest, CancerRelatedMedicationAdministration, CancerRelatedSurgicalProcedure, RadiotherapyCourseSummary, RadiotherapyVolume | Medikation, Chirurgie, Strahlentherapie inkl. Modalität, Technik, Dosis |
| Outcomes | CancerDiseaseStatus, TumorSize | Verlaufstracking (responding, stable, progressing), Tumormessungen |
Wichtige strukturelle Prinzipien:
Vier Bereiche von mCODE sind für „Onkologische Therapieziele" direkt anschlussfähig:
ProcedureIntent-Extension (curative, palliative, diagnostic, preventive, supportive, screening) bietet das Fundament, auf dem strukturierte Therapieziele aufbauen können.CancerDiseaseStatus und das ConditionStatusTrendVS (responding, stable, progressing, remission) liefern das Outcome-Vokabular, auf das Therapieziele referenzieren.| Lücke / Designentscheidung in mCODE | Lösungsansatz für unsere Spec |
|---|---|
| Keine expliziten Therapieziele (Heilung, Lebensverlängerung, Symptomkontrolle, Lebensqualität) | Eigene Profile OnkoTherapyGoal (auf Goal) mit codiertem Zielart-Set; verknüpft mit CarePlan und OnkoTherapyLine |
| Keine Therapielinien-Notation | EnLiST-basierte OnkoTherapyLine ergänzen, mit Anschluss an mCODE-CancerRelatedMedicationRequest |
| US-Realm-Bindung (US Core 6.1.0 als Voraussetzung) | mCODE-Profile als Referenzfolie und Inspiration nutzen; eigene Profile auf MII-KDS-Onkologie verankern; Mapping-Tabelle auf mCODE-Profile als Option |
| Terminologie überwiegend US-zentriert (RxNorm, ICD-10-CM) | Für DE entsprechende Pendants verankern (ATC, ICD-10-GM, OPS), mit ConceptMaps |
| Kein expliziter MDT/Tumorboard-Modus | Wird in der Spec über CPG-on-FHIR-Pattern abgebildet (siehe CPG-Baustein); Molekulares Tumorboard explizit als Use Case |
| Patient-Reported-Outcomes nicht im Kernscope | Anbindung an PCO IG (siehe PCO-Baustein) |
| Pflegeprozess zwischen STU-Releases und unserer Spec | KIG-Onko hält Mapping-Versionen synchron zu mCODE-Releases; pro Major-Release ein Review-Zyklus |
OnkoTherapyLine und OnkoTherapyGoal.GenomicsReport als Anknüpfungspunkt für die geplante Modellierung des Molekularen Tumorboards.Übernehmen:
Erweitern / spezialisieren:
OnkoTherapyGoal-Ressource (auf Goal), die mCODE-Outcome-Vokabular referenziert, aber die Zielart strukturiert codiert (Heilung, Lebensverlängerung, Symptomkontrolle, Lebensqualität).Nicht übernehmen / bewusst abweichen:
Die International Patient Summary (IPS) v2.0.0 STU 2 (HL7 International, FHIR R4, ISO/EN 27269) ist die normative Referenz für condition-agnostische Patientenzusammenfassungen. Die European Patient Summary (EPS) v1.0.0-xtehr (HL7 Europe, QA-Preview Februar 2026) leitet sich direkt aus IPS ab („imposes profile IPS Composition“) und ergänzt EU-Core-Profile und Xt-EHR-Obligations. EPS ist die strategisch relevante Bezugsgröße für EHDS-/EEHRxF-Konformität.
Beide Guides liefern übertragbare strukturelle Muster, adressieren aber keinerlei strukturierte Therapieziele, Therapieintention oder Therapielinien. Das offizielle IPS-Referenzbeispiel ist selbst ein Mammakarzinom-Fall und illustriert die Lücke im Standard direkt. Unsere Spezifikation sollte daher die IPS/EPS-Architektur übernehmen, die Core-Profile um onkologische Tiefe erweitern und die Ziel- und Abschnitts-Konzepte neu definieren.
IPS definiert eine FHIR-Composition (Document-Type LOINC 60591-5) mit 16 sliced Sektionen: drei Required (Problems 11450-4, Medications 10160-0, Allergies 48765-2), eine Recommended (Immunizations 11369-6), zwölf Optional. Jede Sektion trägt einen LOINC-Code, menschenlesbaren Narrative-Text und eine definierte Ressourcen-Liste; das emptyReason-Muster macht „nicht vorhanden“ explizit. Der Slice Composition.event:careProvisioningEvent (v3-ActCode PCPR, event.period) ist der einzige vorhandene Anker für Behandlungszeiträume – mit Kardinalität 0..1 für unsere Spec zu eng. Therapieziel-relevant sind vor allem drei optionale Sektionen:
| Optionale Sektion | LOINC | Relevanz |
|---|---|---|
| Plan of Care | 18776-5 | CarePlan + Goal – Kernansatz für Therapieziele |
| Patient Story | 81338-6 | Patientenzentrierte Präferenzen, Lebensqualitätsziele |
| History of Past Problems | 11348-0 | Rezidivnachweis, Remissionsstatus |
Die Plan-of-Care-Sektion erlaubt CarePlan und ImmunizationRecommendation; CarePlan.goal → Goal, aber ein Goal-Profil ist weder in IPS noch in EPS definiert. IPS ist zudem laut General Principles ein informatives Dokument – MedicationRequests oder CarePlans daraus dürfen nicht aktioniert werden. Zentrale Designfrage für unsere Spec: Therapieziele rein deskriptiv oder workflow-fähig?
Das offizielle IPS-Bundle Bundle-IPS-examples-Bundle-01 (Patientin „Martha DeLarosa“, Mammakarzinom Stage II in Remission, abatement = 2015-03) enthält Anastrozol 1 mg als MedicationStatement mit effective: 2016-01 –> (ongoing) und Freitext „treatment for breast cancer“ – ohne strukturierte Verknüpfung zur Diagnose, ohne Therapieintention, ohne CarePlan/Goal. Der „Plan of Treatment“ („Continue hormone medication … for total of 5 years and monitor for potential breast cancer recurrence“) steht ausschließlich im Narrative. Menopausal flushing ist als aktives Problem geführt, aber semantisch nicht mit der Hormontherapie verknüpft – obwohl unser Use Case „Therapieumstellung durch Nebenwirkungssymptome“ genau diese Kopplung braucht. Das Beispiel eignet sich in LG-01 als Referenzfall für eine Vorher-/Nachher-Gegenüberstellung gegen unsere Spec.
| Lücke in IPS/EPS | Lösungsansatz für unsere Spec |
|---|---|
| Kein Goal-Profil | Neues Profil „Therapieziel Onkologie“ auf Basis Goal (Zielart, Condition-Bezug, Zielzeitraum, Zielstatus, Outcome-Observation) |
| Keine Therapieintention | Codiertes Feld/Extension mit ValueSet kurativ / palliativ / adjuvant / neoadjuvant / Erhaltung – Alignment mit mCODE |
| Keine Therapielinien (ESMO-Notation) | Extension auf MedicationStatement / Procedure oder Attribut am EpisodeOfCare-Profil |
| Kein EpisodeOfCare in Plan of Care | Profil „Behandlungsabschnitt“ (EpisodeOfCare) mit Bezug zu Diagnose, Therapielinie, Intention, Zieletabelle |
| Condition-Profil condition-agnostisch | Onkologische Attribute (Staging, Grading, Biomarker); mCODE PrimaryCancerCondition als Referenzspezifikation |
| Keine strukturierten Therapieabbruch-Gründe | Codiertes ValueSet (Progress / Toxizität / Patientenwunsch / Behandlungsende) als Extension |
| Medikation ↔ Diagnose ↔ Ziel nicht verknüpft | Must-Support auf reasonReference, basedOn, goal in MedicationStatement / Procedure / CarePlan |
Composition-Architektur mit Sektions-Slicing, LOINC-Codierung und verpflichtendem Narrative (Narrative-first-Prinzip) inkl. emptyReason-Muster für fehlende Daten.
Obligations-Framework (Creator/Consumer Actors mit SHALL:populate, SHALL:handle, SHOULD:display); EPS zeigt mit Obligation-only-Profilen über EU-Core ein übertragbares Muster.
SNOMED CT (GPS/MII-Kernset) und LOINC als primäre Terminologien, validiert über MII-Terminologieserver.
Patient (EPS) und EU-Core-Profile als Baseline für Personen-/Organisationsreferenzen, wenn EHDS-Kompatibilität Ziel ist.
Vor LG-01-Release zu verifizieren
LOINC-Codes und display-Strings gegen MII-Terminologieserver · EHDS-Zeitleiste (Publikation 05.03.2025, Inkrafttreten 26.03.2025, Implementing Acts bis 26.03.2027, PS-/ePrescription-Pflicht ab 26.03.2029) gegen Primärtext der Verordnung im EU-Amtsblatt · mCODE-Feldname treatmentIntent gegen aktuelle mCODE-Version · EPS-Status (QA-Preview) gegen aktuellen GitHub-Stand (github.com/hl7-eu/eps) · Konformitätsstrategie: volle IPS/EPS-Konformität vs. „nur aligned“ mit eigenem Document-Type.
Quellen: hl7.org/fhir/uv/ips/STU2 · build.fhir.org/ig/hl7-eu/eps · Projektbeschreibung BIH-CEI Onkologie Therapieziele
Der HL7 FHIR US Multiple Chronic Conditions (MCC) eCare Plan Implementation Guide definiert auf Basis von FHIR R4 ein Care-Plan-zentriertes Modell für die strukturierte Repräsentation, Abfrage und den Austausch longitudinaler Versorgungspläne. Im Unterschied zu IPS und EPS, die primär dokumentorientierte Patientenzusammenfassungen mit festen Sektionen bereitstellen, modelliert MCC den Behandlungsplan selbst als dynamische, konsensbasierte Struktur aus Concerns, Goals, Interventions und Outcomes. MCC ist deshalb weniger als weiterer Summary-Guide relevant, sondern als inhaltlich näherliegende Referenz für die semantische Abbildung von Zielzuständen, Maßnahmen und Ergebnissen.
Der IG profiliert CarePlan und Goal ausdrücklich und erlaubt strukturierte Referenzen zwischen adressierten Gesundheitsproblemen, übergeordneten Zielen und geplanten bzw. durchgeführten Aktivitäten. MCC bleibt fachlich auf Multiple Chronic Conditions im US-Kontext ausgerichtet und enthält keine onkologiespezifischen Konzepte für Therapieintention, Therapielinie, Tumoransprechen, Progress oder Abbruchgründe. Für eine onkologische Spezifikation ist MCC daher eher ein Architektur- und Workflow-Vorbild als eine direkt ausreichende Fachreferenz.
MCC profiliert den CarePlan als zentrales Koordinationsobjekt und beschreibt ihn explizit als „consensus-driven dynamic plan“, der priorisierte Concerns, Goals und geplante Interventions verschiedener Versorgungsteams für mehrere Erkrankungen zusammenführt. Damit adressiert MCC genau den Strukturraum, der für onkologische Therapieziele benötigt wird: ein gemeinsames Planobjekt mit Bezug auf Erkrankungen, Ziele, Maßnahmen und beobachtete Outcomes.
Elemente für onkologische Therapieziele:
| Element | BEschreibung |
|---|---|
| CarePlan.addresses | Referenziert Gesundheitsprobleme (Verbindung Krankheit – CarePlan) |
| CarePlan.goal | Ein oder mehrere übergreifende Ziele des Behandlungsplans |
| CarePlan.activity.reference | Repräsentiert geplante Aktivitäten (z.B. MedicationRequest, ServiceRequest) |
| CarePlan.activity.outcomeReference | Repräsentiert durchgeführte Aktivitäten oder dokumentierte Ergebnisse (z.B. Procedure, Observation) |
| Goal.addresses | Erlaubt Verknüpfung vom Therapieziel mit Problemen, die mit diesem Ziel adressiert werden (Condition, Observation, ServiceRequest, etc.) |
StructureDefintion von CarePlan: https://build.fhir.org/ig/HL7/fhir-us-mcc/StructureDefinition-MCCCarePlan.html
StructureDefintion von Goal: https://build.fhir.org/ig/HL7/fhir-us-mcc/StructureDefinition-MCCGoal.html
Für onkologische Therapieziele ist MCC vor allem dort nützlich, wo ein longitudinaler Behandlungsplan mit mehreren Beteiligten, konkurrierenden Prioritäten und auswertbaren Zielzuständen modelliert werden soll. Konzeptionell lassen sich mit MCC mehrere onkologisch relevante Zieltypen abbilden, auch wenn das IG sie nicht onkologiespezifisch vorgibt:
Krankheitsbezogene Ziele: z.B. Remission erreichen, Progress vermeiden oder Symptomlast senken (über Goal.description, Goal.addresses, Goal.target)
Patientenbezogene Ziele: z.B. Funktionsniveau erhalten, Lebensqualität verbessern (über Goal + ergänzende Observations / Narrative)
Maßnahmenbezogene Ziele: z.B. Durchführung einer systemischen Therapie, supportive Maßnahmen, Monitoring (über CarePlan.activity.reference, CarePlan.activity.outcomeReference)
Zeitbezogene Ziele: z.B. Erreichen eines Zustands bis zu einem Stichtag oder innerhalb eines Therapieabschnitts (über Goal.duex und CarePlan.period)
Aber: die fachliche Präzisierung für die Onkologie fehlt.
| Lücke in MCC | Lösungsansatz für unsere Spec |
|---|---|
| Kein onkologiespezifisches Condition-/Disease-Modell | Onkologisches Condition-Profil ergänzen, z. B. mit TNM, Grading, Biomarker-Referenzen und Disease-Status |
| Wie in IPS/EPS: Keine Therapieintention | Siehe IPS/EPS Analyse: Codiertes Feld/Extension mit ValueSet kurativ / palliativ / adjuvant / neoadjuvant / Erhaltung – Alignment mit mCODE |
| Wie in IPS/EPS: Keine Therapielinien (ESMO-Notation) | Siehe IPS/EPS Analyse: Extension auf MedicationStatement / Procedure oder Attribut am EpisodeOfCare-Profil |
| Keine standardisierte Abbildung von Tumoransprechen auf die Behandlung | Observation-Profil mit Response-Assessment mit Refernez 🡪 Goal.outcomeReference |
| Wie in IPS/EPS: Keine strukturierten Therapieabbruch-Gründe oder Therapiewechsel | Siehe IPS/EPS Analyse: Codiertes ValueSet (Progress / Toxizität / Patientenwunsch / Behandlungsende) als Extension |
CarePlan als zentrales Steuerobjekt: Im MCC ist der CarePlan selbst interoperables Kernelement
Goal als eigenständige, referenzbasierte Ressource
Must-support auf zielrelevante Beziehungen z.B. CarePlan.adresses oder CarePlan.goal
Unterscheidung zwischen geplanten und durchgeführten Aktivitäten (CarePlan.activity.reference und CarePlan.activity.outcomeReference)
Quellen: https://confluence.hl7.org/spaces/PC/pages/66935243/Multiple+Chronic+Conditions+MCC+eCare+Plan· https://build.fhir.org/ig/HL7/fhir-us-mcc/index.html · Projektbeschreibung BIH-CEI Onkologie Therapieziele
goal-acceptance Extension -> Hat der Patient die Behandlung abgelehnt / anderes Ziel?
Timeline des Relationship-Modells -> Goal definieren, Activities, Reference checken, war gut oder nicht?, neue Behandlungsepisode
Outcome-Clustering
Activity Referenzen übernehmen (nicht alles in den Details des CarePlan) –> wird in R5 auch so gemacht
Der Person-Centered Outcomes (PCO) Implementation Guide ist ein HL7 FHIR-Standard (v1.0.0, STU 1) für den Austausch von Informationen zu patientenzentrierten Ergebnissen. Er wurde vom HL7 International / Patient Care Committee entwickelt und basiert auf FHIR R4 (4.0.1), US Realm, CC0-Lizenz.
Der PCO IG entstand als Weiterentwicklung des MCC (Multiple Chronic Conditions) eCare Plan FHIR IG und unterstützt die Identifikation und das Tracking von persönlichen Outcome-Zielen, die für Patienten am wichtigsten sind.
| Version | 1.0.0 — STU 1 (Maturity Level 2) |
| FHIR-Version | R4 (4.0.1) |
| Herausgeber | HL7 International / Patient Care Committee |
| Realm | US (international anwendbar) |
| Lizenz | CC0-1.0 (Public Domain) |
| URL | http://hl7.org/fhir/us/pco |
Der PCO IG verfolgt einen Ansatz der kollaborativen Zielsetzung: Statt reiner Symptombehandlung steht im Mittelpunkt, was dem einzelnen Patienten am wichtigsten ist. Der Prozess umfasst:
Identifikation persönlicher Gesundheitspriorititäten („What Matters Assessment“)
Festlegung personalisierter, messbarer Ziele
Bewertung von Bereitschaft und Barrieren
Kontinuierliches Monitoring des Fortschritts
Integration in umfassende Pflegepläne
| Kategorie | Profil | Beschreibung |
|---|---|---|
| Ziele | Person-Centered Goal | Basisprofil für alle PCO-Ziele |
| GAS Goal | Goal Attainment Scaling | |
| PROM Goal | Patient-Reported Outcome Measures | |
| Assessment | What Matters Assessment | Identifikation der Patientenpriorititäten |
| Readiness Assessment | Bereitschaftsbewertung | |
| Goal Barriers Assessment | Barrieren-Analyse | |
| Koordination | Person-Centered Care Plan | Patientenzentrierter Pflegeplan |
| Outcomes | GAS Score Observation | GAS-Ergebnis-Dokumentation |
| PROM Score Observation | PROM-Ergebnis-Dokumentation |
GAS individualisiert die Zielmessung durch Festlegung von Baseline- und Ziel-Erreichungsgraden für spezifische Patientenziele. Die kollaborative Zielsetzung mit numerischen Skalen repräsentiert verschiedene Erreichungsstufen.
PROMs nutzen validierte, standardisierte Instrumente zur Messung von Ergebnissen, die Patienten als wichtig erachten. Terminologisch werden LOINC-Codes und spezifische Value Sets (GAS Score Type, PROM Target Measures) verwendet.
Patienten mit komplexen Versorgungsbedarfen: Identifikation von Prioritäten und Fortschrittsverfolgung
Klinische Implementierung über das gesamte Versorgungskontinuum
Gesundheitscoaching und Care Coordination
Qualitätsmessung und Forschung
Sektorenübergreifende Integration via FHIR-Interoperabilität
Der PCO IG ist hochrelevant für die gematik-Spezifikation „Therapieziel Onkologie“:
PCO liefert ein generisches FHIR-Framework für patientenzentrierte Ziele — die KIG Onko Spezifikation kann darauf aufbauen
Die GAS- und PROM-Ansätze sind direkt auf onkologische Therapieziele anwendbar
Die „What Matters Most“-Philosophie passt zur partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) bei der Therapiezielfestlegung
Das Person-Centered Goal Profil kann für onkologische Use Cases profiliert werden
Lücke: PCO ist generisch, nicht onkologiespezifisch — die KIG Onko Spezifikation füllt die onkologische Lücke (z.B. Heilung, Lebensverlängerung, Symptomkontrolle, Lebensqualität)
Komplementarität zu mCODE: PCO adressiert Patientenziele, mCODE die klinische Datenstruktur — beide zusammen bilden das Gesamtbild
PCO IG (Published) — https://hl7.org/fhir/us/pco/
PCO IG (CI Build) — https://build.fhir.org/ig/HL7/pco-ig/
MCC eCare Plan IG — https://hl7.org/fhir/us/mcc/
mCODE STU4 — https://hl7.org/fhir/us/mcode/STU4/
Baustein für Liefergegenstand LG-01 · Gematik-Auftrag · BIH-CEI
Quelle: Saini KS, Koopman M, Martins-Branco D et al. ESMO adaptation of Lines of Systemic Therapy (EnLiST): a consensus framework for standardising the designation of lines of therapy in solid tumours. Annals of Oncology 2026;37(5):608–623. DOI: 10.1016/j.annonc.2026.02.008
Status: Publiziert Februar 2026, erster paneuropäischer Delphi-Konsens (26 Stakeholder, Endkonsens ≥ 87,5 %, vier Leitlinien einstimmig). Geltungsbereich solide Tumoren; hämatologische Adaption als separates Konzept.
Die Zählung von Therapielinien war in der internationalen Onkologie bislang inkonsistent: Studienprotokolle, Real-World-Datenbanken, Erstattungssysteme und einzelne Tumorboards verwendeten unterschiedliche Definitionen von "1L", "2L", "Maintenance" oder "Re-Challenge". Folgen waren u. a. nicht vergleichbare Studienpopulationen, fehlende Reproduzierbarkeit von Outcome-Auswertungen und Schwierigkeiten in der korrekten Anwendung linienspezifischer Zulassungen.
EnLiST stellt erstmals ein paneuropäisches Konsensvokabular bereit, das was als Linie zählt, wie Modifikationen abgegrenzt werden (New / Modified / Same) und welche Setting-Stufe zugrunde liegt (early / advanced / investigational) einheitlich regelt. Für unsere Spec ist EnLiST damit die strukturierende Achse, an der sich die Visualisierung und die FHIR-Modellierung von Therapielinien orientieren.
Drei strukturierende Elemente sind direkt übernehmbar:
Settings-Trennung (separate Zählung):
Notation pro Setting als X.Y:
[eLoT + aLoT] + iLoT, z. B. [eLoT 2.0 + aLoT 2.1] + iLoT 1.0Drei-Änderungstypen-Logik:
Mindestdatensatz (10 Items, 100 % Delphi-Konsens):
Vier Konsens-Leitlinien regeln Re-Challenge nach Therapiepause, Wechsel ohne cPD, Hinzunahme/Wegfall von Wirkstoffen (siehe Sektion 3 für Mapping auf unsere Spec).
Mammakarzinom Stage III mit kurativer Intention:
eLoT 1.1 (Modified)eLoT 2.0 (New)aLoT 1.0 (im fortgeschrittenen Setting eigene Zählung)iLoT 1.0Gesamtnotation: [eLoT 2.0 + aLoT 1.0] + iLoT 1.0. Das Beispiel zeigt, dass die Notation gleichzeitig Zeitverlauf, Setting-Übergänge und Studienbeteiligung in kompakter Form abbildet – direkt nutzbar als Achsenmodell für unsere Visualisierung.
| Lücke / Designentscheidung in EnLiST | Lösungsansatz für unsere Spec |
|---|---|
| Nur solide Tumoren im Scope; Hämatologie ausgeklammert | Setting-Achse parametrierbar (lot_axis_type = solid-setting oder haem-phase); Hämatologie-Adaption als separate IG-Seite |
| Lokoregionale Therapien (Chirurgie, Strahlentherapie, Ablation) ohne LoT | Eigene Modalitäten-Spur in der Visualisierung, nicht in LoT-Zählung |
| Keine harte Treatment-Holiday-Dauer als Cut-off | Entitäts- und protokollspezifische Heuristiken zulassen; optional als Konfiguration |
| "Locally advanced" unter aLoT geführt – tumorspezifisch diskutabel | aLoT führen, aber clinicalSetting codiert (early / advanced-locally / advanced-metastatic) erhalten |
| Chemoradiotherapie-LoT abhängig von SACT-Dosis und klinischem Urteil | Im Mindestdatensatz optional als codiertes Kommentar-Feld "CRT included"; explizite Doku im IG |
| Intent vs. Setting entkoppelt – Paper rät zur Setting-Achse als primärer Strukturierung | Beide Felder erhalten: clinicalSetting und treatmentIntent separat, Setting impliziert nicht 1:1 Intent (z. B. palliativer Frühphasen-Einsatz) |
| Kein FHIR-Profil-Set – EnLiST ist konzeptionell, nicht profiltechnisch | Eigene Profile: OnkoTherapyLine, OnkoTherapyIntent (Extension), OnkoClinicalSetting (Extension); CodeSysteme onko-lot-setting, onko-treatment-intent |
| Keine direkte Anbindung an MII KDS | Mapping-Tabellen: EnLiST anticancer_modality × MII-Medikation; EnLiST cPD × oncoBox/oBDS-Progression; stop_reason × oBDS-Therapieendegrund |
| Keine Transformationsereignisse (auch in soliden Tumoren relevant, z. B. NSCLC → SCLC unter EGFR-TKI) | Eigenes Event-Konzept analog zur Hämatologie-Adaption; ValueSet onko-transformation-event |
[eLoT + aLoT] + iLoT-Gesamtdarstellung – als computable Repräsentation in einem OnkoLineOfTherapy-Profil mit Slot-basierten Komponentenonko-lot-change-type und Pflichtfeldinv-onko-1: "Re-Challenge nach Therapiepause ohne dazwischenliegendes anderes Regime ergibt Same LoT")onko-anticancer-modalityÜbernehmen:
Procedure.outcome und der Onko-Verlauf), EnLiST aggregiert sie aber auf einer linienübergreifenden Ebene, die in MII bisher fehlt.Optional langfristig erweitern (jetzt nicht im Hauptpfad):
Bewusst offen halten:
extensible oder preferred Binding offen, damit tumorspezifische Granularität (early / advanced-locally / advanced-metastatic) als Option möglich bleibt, ohne die Entscheidung im Hauptpfad zu erzwingen. Die finale Bindungsstärke ist mit der onkologischen Fachkommission abzustimmen.Baustein für Liefergegenstand LG-01 · Gematik-Auftrag · BIH-CEI
Quelle: HL7 Clinical Practice Guidelines (CPG-on-FHIR) Implementation Guide v2.0.0 STU2 (CI-Build Mai 2026; Package hl7.fhir.uv.cpg#2.0.0, FHIR R4). Maintained durch HL7 Clinical Decision Support / Clinical Quality Framework. Untersuchte Seiten: Methodology, Profiles. URLs: build.fhir.org/ig/HL7/cqf-recommendations/en/methodology.html · build.fhir.org/ig/HL7/cqf-recommendations/en/profiles.html
Status: STU2, methodisch ausgereift, in Produktion u. a. bei CDC Opioid und WHO Antenatal Care.
CPG-on-FHIR ist für unsere Spec primär als Referenzrahmen für Leitlinieninhalte relevant. Statt der vollen computable Tiefe (CQL-Bibliotheken, ausführbare Pathway-Engine) nutzen wir die Profil- und Verlinkungslogik, um existierende Leitlinien – die parallel über AWMF erschlossen werden – strukturiert in unseren Verläufen zugänglich zu machen.
Die zentralen übertragbaren Elemente sind:
Library (CQL-Logik bei Bedarf), ActivityDefinition, PlanDefinition, Measure.CPGRecommendationDefinition (Event-Condition-Action-Regel), CPGStrategyDefinition (sequenzierte Aktivitäten), CPGPathwayDefinition (längsschnittliche Orchestrierung).CPG-Präfix; Verknüpfung über instantiatesCanonical und basedOn. Damit wird Soll (Empfehlung) vom Ist (verordnete bzw. verabreichte Therapie) sauber getrennt.relatedArtifact und instantiatesCanonical als Verlinkungs-Mechanik zu normativen Leitlinienquellen – der Kernhebel für unsere "Verweisbild"-Logik.qualityOfEvidence, strengthOfRecommendation, directionOfRecommendation); für die deutsche Versorgung referenzieren wir primär die S3-Leitlinien mit ihrem AWMF-Bewertungsschema; Mapping auf ESMO und weitere Evidenzsysteme kann später ergänzt werden, ist aber für die Erstversion nicht zwingend.In unserer Spec wird CPG-on-FHIR überall dort eingesetzt, wo eine referenzierbare Leitlinienempfehlung existiert. Liegt sie nicht vor oder weicht der konkrete Fall davon ab – etwa bei patientenseitiger Abweichung oder Shared Decision Making – übernimmt die CarePlan/Goal-Logik (siehe IPS/MCC/PCO-Bausteine) die ausführliche Beschreibung, ggf. mit eigenen Evidenzangaben.
Diese Asymmetrie spiegelt die Versorgungsrealität (15–30 % strukturierte Abweichung nach WiZen-, NCCN- und mCRC-AIO-Daten):
| Situation | Modellierung | Visualisierung |
|---|---|---|
| Leitlinienkonform | Verweis (instantiatesCanonical) auf CPGRecommendationDefinition / CPGPathwayDefinition |
Kompakt: "folgt S3-Leitlinie X, Empfehlung Y" |
| Bewusste Abweichung (Präferenz, Komorbidität, Studienteilnahme) | CPGCarePlan mit eigener Beschreibung; instantiatesCanonical bleibt als "abgewichen von" sichtbar |
Parallele Spur mit Begründung |
| Unbewusste Abweichung (Versorgungsdrift) | CPGCarePlan + CPGDetectedIssue-Flag |
Differenz sichtbar, Audit-Anker |
| Kontraindizierte Empfehlung | CPGCarePlan + CPGFlag / CPGRecordDetectedIssueTask mit Begründung |
Empfehlung explizit als "nicht angewandt – Kontraindikation" |
| Lücke / Designentscheidung | Lösungsansatz für unsere Spec |
|---|---|
| CPG-Personas / Activity Type / Common Process CodeSysteme sind international gehalten (US-/CDC-/WHO-zentriert) | Eigene CodeSysteme onko-personas, onko-activity-type ableiten; Mapping-Tabelle auf CPG-Common erstellen; bei generischen Konzepten direkt CPG-Common nutzen |
| Kein Bewertungssystem vorgeschrieben | Primärbezug S3-Leitlinien (AWMF); optional über ConceptMap auf GRADE und ESMO Magnitude of Clinical Benefit Scale (MCBS) abbildbar – nicht im Hauptpfad |
| IPS als Interop-Basis ist im CPG-IG empfohlen, aber unvollständig | Für unsere Spec MII KDS-Onkologie als primärer Interop-Basis; Mapping auf IPS/EPS für EHDS-Anschluss separat |
| MDT-Logik nicht explizit modelliert – kein "Tumorboard-Entscheidung als Pathway-Knoten"-Pattern | Eigene OnkoTumorboardDecision-Aktivität (auf CPGServiceRequestActivity basierend) mit OnkoClinicalImpression als Event; Molekulares Tumorboard als Sonderfall |
| CarePlan-Detail bei Abweichung ist im IG nur skizziert, nicht als Pflicht-Pattern ausformuliert | Pflicht-Pattern in unserer Spec: bei Abweichung von einer referenzierten Recommendation MUSS ein OnkoCarePlan-Detail mit codiertem OnkoDetectedIssue (deviation-reason) hinterlegt werden |
| Versions-Pflege zwischen Leitlinien-Update und IG-Release ist Trägerverantwortung – kein Standardprozess | KIG-Onko-Pflegeprozess definieren: Versionierung an S3-Leitlinien-Updates des Leitlinienprogramms Onkologie gekoppelt |
| Mapping ist Pflicht – IPS und andere Standards nie vollständig | Mapping als eigenes Lieferobjekt im IG ausweisen (analog DEQM, SDC); ConceptMaps für ICD-10-GM × SNOMED, oBDS × FHIR-Profile, MII-Module × Onko |
| Patientensicht / Patient-Reported-Outcomes sind im CPG-Kern nicht prominent | Anbindung an PCO IG ergänzen (siehe PCO-Baustein) – insbesondere für Shared Decision Making und Abweichungsbegründungen aus Patientenperspektive |
CPGPathwayDefinition, einzelne Linien als CPGStrategyDefinition, konkrete Therapieentscheidungen als CPGRecommendationDefinition).instantiatesCanonical + relatedArtifact als verbindlicher Verweis auf die S3-Leitlinienempfehlung.Übernehmen (referenziert, nicht explizit ausgebaut):
instantiatesCanonical-basierte Adhärenzauswertung.Erweitern / spezialisieren:
Onko-Profile auf CPG-Basis (OnkoTherapyLine, OnkoTumorboardDecision, OnkoCarePlan, OnkoDetectedIssue). Begründung: deutsche Versorgungsstrukturen (Tumorboard-Pflicht, Konsiliumssystem, DKG-Quality-Indicators) benötigen spezifische Erweiterungen.Nicht übernehmen / bewusst abweichen:
onko-* CodeSysteme mit Mapping-Tabelle auf CPG-Common.Baustein für Liefergegenstand LG-01 · Gematik-Auftrag · BIH-CEI
Zwei weitere Initiativen sind für den Kontext dieser Spezifikation relevant, wurden hier aber bewusst nicht in der gleichen Tiefe analysiert wie die in Kapitel 3 untersuchten Standards. Sie werden im weiteren Projektverlauf — insbesondere in der Phase LG-05 (MII-Integrationskonzept) — eng angebunden.
Das MII-Erweiterungsmodul Onkologie ist die nationale FHIR-Spezifikation für die strukturierte Erfassung onkologischer Versorgungsdaten in der Medizininformatik-Initiative. Es baut auf dem MII-Kerndatensatz auf, integriert die Datensätze des oBDS (onkologischer Basisdatensatz, ADT/GEKID) und liefert die Datenelemente, mit denen die deutschen Datenintegrationszentren (DIZ) und Cancer Centers heute arbeiten.
Diese Spezifikation baut auf dem MII-Erweiterungsmodul Onkologie auf: die in unserer Spec eingeführten Profile (z. B. OnkoTherapyLine, OnkoCarePlan, OnkoTherapyGoal) referenzieren die MII-Profile als Datenelemente-Basis. Auf eine eigene Tiefenanalyse wird hier verzichtet, weil die Ausschreibung explizit darauf aufbaut und in Phase LG-05 ein schriftliches Integrationskonzept in das MII-Erweiterungsmodul vorgesehen ist, das die finale Verzahnung herstellt.
Ergänzend ist das BMBF-geförderte PM4Onko (Personalisierte Medizin für die Onkologie) als komplementäre Initiative zu nennen — Miteinbeziehung erfolgt im Rahmen der Workshop-Phase über die Comprehensive Cancer Centers und NCTs.
Quellen:
Das European Common Cancer Data Model ist eine HL7-Europe-Initiative zur gemeinsamen Strukturierung onkologischer Daten auf europäischer Ebene. Es zielt darauf ab, EHDS-konforme Datenaustausch- und Auswertungsstrukturen für Krebspatient*innen über Sektoren- und Ländergrenzen hinweg zu ermöglichen.
Der Reifegrad ist derzeit konzeptionell und logisch: es liegen konzeptuelle und logische Modelle vor, aber noch keine validierten FHIR-Profile. Eine direkte Übernahme in unsere Spec ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Die Initiative ist gleichwohl wichtig zu beobachten, weil:
OnkoTherapyLine- und OnkoTherapyGoal-Strukturen, der CarePlan-/Goal-Pfad und die Leitlinienreferenz-Mechanik) sehr wahrscheinlich Eingang in zukünftige Versionen des Common Cancer Data Model finden werden,Quelle: build.fhir.org/ig/hl7-eu/cancer-common
Beide Initiativen sind in der Architekturentscheidung implizit berücksichtigt:
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Die Spezifikation beruht auf vier Schichten mit klarer Rollenverteilung und einem expliziten Fallback-Pfad:
Schicht 1 – Therapielinien-Strukturachse (EnLiST): liefert die internationale Konsensnotation für Linien, Settings und Änderungstypen. Definiert was gezählt wird und wie es dargestellt wird. Konzeptionell, nicht profiltechnisch.
Schicht 2 – Methodik & computable Repräsentation (CPG-on-FHIR): liefert die Vorgehensweise (Select → Represent → Translate → Validate, L1–L4-Continuum) und das FHIR-Profil-Set (PlanDefinition, ActivityDefinition, Library, Definition–Request–Event-Triade). Wird im Primärpfad verwendet: existiert für den Fall eine computable Leitlinienempfehlung, wird sie via instantiatesCanonical referenziert – kompakte Darstellung, keine Wiederholung des normativen Inhalts.
Schicht 3 – Plan- und Ziel-Logik (CarePlan / Goal): liefert die generische Repräsentation des realen Versorgungsverlaufs. Wird im Fallback verwendet:
Quellen für das Plan-/Ziel-Pattern: MCC eCare Plan, mCODE-Treatment-Pattern, ergänzt um die Inhaltsstruktur aus IPS (Plan-of-Care-Sektion).
IPS/EPS als Boundary Exchange Format – verpflichtend zu berücksichtigen: IPS ist in dieser Architektur kein Fallback-Standard, sondern ein Brückenformat an den Sektorengrenzen. Konkrete Rollen:
Daraus folgt: Unsere Spec MUSS ein IPS-/EPS-Mapping als eigenes Lieferobjekt führen und die Boundary-Transactions sauber abbilden. Die Empfehlung „Plan-/Ziel-Quelle ist nicht IPS" gilt nur für den internen Modellierungspfad, nicht für die Sektorengrenze.
Schicht 4 – Datenelemente & Terminologie (MII Onkologie): liefert die deutschen Datenelemente und Terminologien als primäre Interoperabilitätsbasis. Anschluss an EHDS via Mapping auf IPS/EPS als sekundäre Schicht.
| Situation | Schicht 2 (CPG) | Schicht 3 (CarePlan/Goal) |
|---|---|---|
| Leitliniengerechte 1L bei häufigem Tumor (z. B. KRK mFOLFOX6) | Primär – instantiatesCanonical auf normative Recommendation |
Optional – kompakter CarePlan als Container für Verweis |
| Bewusste Abweichung (Patient*innenpräferenz, Komorbidität) | Verweis bleibt | Fallback aktiv – CarePlan mit Detailbeschreibung + CPGDetectedIssue |
| Seltene Tumoren / Off-Label / keine computable Leitlinie | – | Fallback aktiv – CarePlan + Goal als alleinige Repräsentation |
| Studienteilnahme (iLoT in EnLiST) | Wenn Studienprotokoll als CPG vorliegt: Verweis | Sonst Fallback – CarePlan referenziert ResearchStudy |
| Versorgungsdrift / unbewusste Abweichung | Verweis bleibt | Fallback aktiv – CarePlan + CPGDetectedIssue als Audit-Anker |
| Tumorboard-Entscheidung mit eigener Empfehlung | Verweis auf S3-Leitlinie + OnkoTumorboardDecision als ergänzende Recommendation |
CarePlan als Container; bei Abweichung zusätzlich Fallback |
Die FHIR-Profile der Spec gliedern sich entsprechend:
OnkoTherapyLine, OnkoTherapyIntent-Extension, OnkoClinicalSetting-ExtensionOnkoPathwayDefinition (auf CPGPathwayDefinition), OnkoStrategyDefinition, OnkoRecommendationDefinition, OnkoMedicationRequest (auf CPGMedicationRequest) etc.OnkoCarePlan (auf CPGCarePlan, der wiederum CarePlan profiliert), OnkoGoal (mit Therapieziel-Codierung), OnkoDetectedIssue für AbweichungsbegründungOnkoMedicationStatement, OnkoProcedure, OnkoCondition