Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie
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Diese Seite prüft das Therapieziel-Modell an einer nicht-
onkologischen Entität (also einer Erkrankung außerhalb der Krebsmedizin): dem
Diabetes mellitus Typ 2 (der „Alterszucker", die häufige Zuckerkrankheit mit
Insulinresistenz). Die Frage ist nicht „wie behandelt man Diabetes" (das ist
Lehrbuchstoff), sondern: Passt dieselbe Struktur – ein übergeordnetes Ziel plus
messbare Etappenziele mit target.measure / target.detail / target.due (also: woran
man die Zielerreichung misst, welcher Wert als erreicht gilt, bis wann) – auch hier?
Der Diabetes ist dafür ein besonders lehrreicher Fall, weil das deutsche DMP (Disease-Management-Programm – ein geregeltes Dauerbehandlungs-Programm der Krankenkassen für chronisch Kranke) – und in seiner digitalen Fortschreibung das dDMP – die Versorgungsziele bereits festschreibt und teils an messbare Schwellenwerte bindet.
Zur Tabelle: „Zielgröße" = woran gemessen wird, „Zielwert" = welcher Wert als erreicht
gilt, „Ergebnis" = die tatsächliche Messung, die man dagegenhält. Die LOINC-Kürzel sind
international standardisierte Codes für den jeweiligen Messwert.
| Ebene / Ausrichtung | Zielgröße (target.measure) |
Zielwert (target.detail) |
Ergebnis (outcomeReference) |
|---|---|---|---|
| Übergeordnet (Lebenserwartung, Lebensqualität, Folgeschäden vermeiden) | — (strategisch) | — | — |
| Frühphase – Remission | HbA1c (Langzeit-Blutzucker, ~3 Monate) ohne Medikamente — LOINC 4548-4 |
Remission (HbA1c < 6,5 % ohne Medikation) | HbA1c-Messung |
| Blutzucker-Kontrolle/Erhalt | HbA1c 4548-4 |
6,5 – 7,5 % (individuell) | HbA1c-Messung |
| Herz-Kreislauf-Schutz | Blutdruck 8480-6/8462-4; LDL („schlechtes" Cholesterin) 13457-7 |
< 140/90 mmHg; LDL je nach Risiko | Messungen |
| Nierenschutz | eGFR (geschätzte Nierenleistung) 62238-1; Eiweiß-im-Urin-Quotient 9318-7 |
Nierenleistung stabil; Eiweiß-Quotient < 30 mg/g | Messungen |
| Lebensqualität / Belastung | Patienten-Fragebogen (WHO-5, PAID, DDS) — measure.text |
z. B. WHO-5 ≥ 13; PAID < 40 | Fragebogen-Erhebung |
Die Medikamente (Metformin, SGLT2-Hemmer, GLP-1-Wirkstoffe, DPP-4-Hemmer,
Sulfonylharnstoffe, Insulin – verschiedene Gruppen blutzuckersenkender Mittel) sind im
Modell Maßnahmen (MedicationRequest), nicht das Ziel – die Trennung „was wird
getan" vs. „was soll erreicht werden" aus der Therapieziel-Seite.
Jüngere Zielverschiebung. Die große Diabetes-Fachgesellschaften-Leitlinie (ADA/EASD) 2022/2023 hat den Fokus vom reinen Blutzucker-Ziel hin zum Organschutz verschoben: SGLT2-Hemmer und GLP-1-Wirkstoffe werden bei hohem Herz-/Nierenrisiko gegeben – unabhängig vom Blutzuckerwert, weil ihr Nutzen nicht an der Zuckersenkung hängt. Damit tritt neben den Blutzucker-Zielwert ein Herz-/Nieren-Ergebnisziel. Parallel etabliert sich mit der kontinuierlichen Zuckermessung (CGM) die „Time-in-Range" (der Anteil der Zeit im Zielbereich) als zweite Blutzucker-Messgröße neben dem HbA1c – alte und neue Größe bestehen nebeneinander, genau wie im Messgrößen-Prinzip beschrieben.
Das übergeordnete Ziel „Lebensqualität" wird über von Patienten selbst ausgefüllte Fragebögen (englisch: Patient-Reported Outcome Measures, PROMs) messbar gemacht – der stärkste Beleg, dass eine Zielgröße auch etwas anderes als einen Laborwert sein kann. Im dDMP werden solche Fragebögen regelmäßig (z. B. alle zwei Wochen über eine Gesundheits-App oder die elektronische Patientenakte) erhoben und an Schwellenwerte gebunden, die automatisch eine Reaktion auslösen:
Im Modell ist das genau die Kette Goal.target (Schwelle = Zielwert) → Verlaufs-
Messung (Fragebogen-Wert als Ergebnis) → achievementStatus (Stand der Zielerreichung).
Die Anbindung solcher Patienten-Fragebögen ist in Zielwerte und
Messgrößen bereits vorgesehen; das dDMP zeigt den konkreten
Ablauf dazu.
Im digitalen DMP wird der Behandlungsplan in der elektronischen Patientenakte (ePA) hinterlegt, die Dokumentation fein (bis zu einzelnen Laborwerten und Tagebucheinträgen) geführt und über sichere Kanäle geteilt. Für die technische Modellierung heißt das: die hier beschriebenen Zielobjekte haben im dDMP einen realen Ablage- und Austauschort – der Transfer des Modells ist nicht nur theoretisch, sondern trifft eine bereits gesetzlich angelegte Struktur (§ 137f SGB V, dDMP ab 2027).
Allgemeingültig ist die Struktur: übergeordnetes Ziel + messbare Zielwerte + Ergebnis- Messung. Krankheitsspezifisch sind nur die konkreten Werte und eine eigene Phasenlogik (Frühphasen-Remission neben parallelen Dauer-/Schutzzielen). Dass hier Fragebögen und Laborwerte gleichberechtigt als Zielgrößen auftreten und das DMP daran automatische Reaktionen knüpft, zeigt zweierlei: Die Ausrichtungen/Phasen müssen erweiterbar bleiben, und eine Zielgröße muss sowohl codierte Laborwerte als auch textuelle Fragebogen-Werte tragen können.
Unabhängig von der Erklärung oben – so werden die Inhalte maschinenlesbar codiert. Die Codes sind gegen den MII-Terminologieserver geprüft (ICD-10-GM 2026, SNOMED CT 2026-07-01, ATC 2026, LOINC).
| Kategorie | Codesystem(e) | Beispiel-Codes (validiert) |
|---|---|---|
| Diagnose | ICD-10-GM · SNOMED CT | E11.9 Diabetes mellitus Typ 2 · SNOMED 44054006 Type 2 diabetes mellitus |
| Diagnostik / Messwerte | LOINC | 4548-4 HbA1c · 62238-1 eGFR (CKD-EPI) · 9318-7 Albumin/Kreatinin (Urin) · 13457-7 LDL-Cholesterin · 8480-6/8462-4 Blutdruck |
| Therapien (Prozeduren) | OPS · SNOMED CT | überwiegend medikamentös; nicht-medikamentös z. B. Diabetes-Schulung, Ernährungstherapie |
| Medikation | ATC | A10 Antidiabetika: A10BA02 Metformin · A10BK SGLT2-Inhibitoren · A10BJ GLP-1-Rezeptoragonisten · A10BH DPP-4-Inhibitoren · A10BB Sulfonylharnstoffe · A10A Insuline |
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