Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie
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Behandlungsepisoden (EpisodeOfCare)

Ein onkologischer Verlauf besteht aus abgegrenzten Abschnitten klinischer Aktivität — Diagnostik, Therapielinien, Operation, Überwachung, Nachsorge. Jeder solche Abschnitt wird als Behandlungsepisode auf Basis von FHIR EpisodeOfCare abgebildet: ein begrenzter Zeitraum aktiv gemanagter Versorgung mit eigenem Zweck (Intention), Periode, Status/Statusverlauf und verantwortlicher Organisation.

Ein Profil, viele Arten

Statt eines Profils je Abschnittstyp gibt es ein generelles Behandlungsepisode- Profil; die Art der Episode wird über EpisodeOfCare.type codiert (offen/ extensible). Häufige Arten:

Art Nicht-therapeutisch / therapeutisch In LoT-Zählung?
Diagnostiklinie (Staging, molekulare Charakterisierung) informativ
Systemische Therapielinie (Line of Therapy) therapeutisch, systemisch ja
Lokoregionale Behandlungslinie (Chirurgie, Strahlentherapie, Ablation) therapeutisch, lokoregional nein
Active Surveillance / Watchful Waiting Management
Nachsorge / Surveillance Management

Diese Liste ist offen: entitätsspezifische Abschnitte (z. B. Induktion/ Konsolidierung/Erhaltung bei hämatologischen Erkrankungen) lassen sich ergänzen, ohne das Modell zu ändern.

Behandlungsepisoden: ein Profil, drei Spuren — führende Linie und ausführendes Segment Zeitstrahl mit Behandlungsepisoden in drei Spuren. Systemische Spur: die fuehrende Episode der Linie (neoadjuvant, traegt die EnLiST-Designation eLoT 1.0 samt lineId) und das ausfuehrende adjuvante Segment (ambulant, gleiche lineId, keine eigene Designation), verkettet ueber die lineId. Lokoregionale Spur: die perioperative Episode (not-counted, zeitlich ueberlappend; die OP selbst ist ein Procedure). Informative Spur: die Diagnostiklinie. Die Klammer des kurativen Gesamtkonzepts bilden Ziel und Plan, keine Episode. Ein Profil — viele Arten: EpisodeOfCare.type unterscheidet, die Struktur bleibt gleich. kuratives Gesamtkonzept — Klammer: Ziel + Plan (keine Episode) systemisch EnLiST — zählt (LoT) lokoregional im EnLiST-Framework nicht mitgezählt informativ / Management gemeinsame lineId Systemische Linie — führend neoadjuvant · stationär (Klinik) trägt Designation + lineId eLoT 1.0 Adjuvantes Segment ambulant · Pembrolizumab keine eigene Designation Perioperative Episode OP = Procedure not-counted · überlappt Diagnostiklinie type: Diagnostik Zeit Perioperative Episode = die Reise (Planung → OP → Reha); die OP selbst ist ein Procedure, einzelne Kontakte sind Encounter. In die LoT-Zählung (EnLiST) gehen nur Träger von enlist-lot ein — lokoregionale Linien und Segmente zählen nicht (mit). Die führende Episode trägt die Designation (eLoT 1.0 + lineId); ausführende Segmente verketten sich über dieselbe lineId. Behandlungsepisode (EpisodeOfCare — ein Profil) Designation Procedure lineId-Verkettung

Systemische Therapielinie vs. lokoregionale Behandlungslinie

Der Oberbegriff Behandlungslinie umfasst zwei Modalitätsklassen:

  • Die systemische Therapielinie (Line of Therapy, LoT) folgt der internationalen Konsensnotation EnLiST (Saini et al., Ann Oncol 2026) und wird in die Linien-Zählung aufgenommen. Eine Linie ist ein Abschnitt aktiver Systemtherapie mit definierter Intention, beendet durch ein klinisches Ereignis (Progress, Toxizität, Patientenwunsch, Studienende, geplanter Wechsel).
  • Die lokoregionale Behandlungslinie (Chirurgie, Strahlentherapie, Ablation) wird von EnLiST nicht abgedeckt und nicht mitgezählt — sie bildet eine eigene Modalitätsspur.

Einordnung EnLiST. EnLiST ist ein paneuropäischer Delphi-Konsens zur Standardisierung der Linien-Bezeichnung bei soliden Tumoren — bewusst begrenzt auf systemische Therapie. Für hämatologische Erkrankungen gilt eine separate Adaptation (andere Achse: Induktion/Konsolidierung/Erhaltung), und das Framework befindet sich noch im „road testing" (ESMO 2026–2027). Die LoT-Zählung ist damit kein universeller, entitätsübergreifender Score, sondern eine Struktur- und Notationskonvention innerhalb ihres Geltungsbereichs; ihre Vergleichbarkeit über Tumorentitäten hinweg ist begrenzt. Die Spalte „In LoT-Zählung?" ist entsprechend im Kontext der jeweiligen Entität zu lesen.

Linienwechsel ≠ Zielwechsel

EnLiST notiert Linien als X.Y je Setting-Achse (eLoT früh · aLoT fortgeschritten · iLoT investigational, getrennt gezählt): X zählt New LoTs (nur bei Progression oder fehlendem Ansprechen), Y zählt Modified LoTs (nicht-progressionsbedingte Änderungen), Same LoTs (prospektiv geplante Änderungen inkl. Erhaltung) verändern die Designation nicht. Diese Ereignisse liegen auf der Maßnahmen-Achse — sie lösen nie automatisch eine Ziel-Operation aus:

EnLiST-Ereignis Auslöser Episodenziel Übergeordnetes Ziel
Same LoT (X.Y bleibt) prospektiv geplant: Dosis, Pause, Erhaltung bleibt — oder successor, wenn ein Phasenziel erreicht ist bleibt
Modified LoT (Y+1) Intoleranz, Wirkstoffwechsel ohne Progression bleibt (nur die Maßnahme ändert sich) bleibt
New LoT (X+1) Progression / fehlendes Ansprechen i. d. R. neu — altes Ziel abgeschlossen, oft not-achieved bleibt, solange die Intention stabil ist
New LoT + Strategiewechsel (oft eLoT→aLoT) Progression macht die Intention unhaltbar neu replacement

Belege in beide Richtungen: Im mCRC-Szenario überdauert das übergeordnete Ziel mehrere palliative Linien; der Übergang Induktion → Erhaltung ist dort ein Zielwechsel ohne Linienwechsel (Erhaltung = Same LoT); ein Wirkstoffwechsel wegen Intoleranz (z. B. Letrozol → Anastrozol, eLoT 1.0 → 1.1) ändert gar kein Ziel. Auch der Setting-Wechsel koppelt nicht 1:1 — EnLiST entkoppelt Setting und Intention ausdrücklich (kurative Oligometastasen-Therapie im advanced Setting, palliative Frühphasen-Therapie).

Eine Linie über mehrere Einrichtungen — Führung und Ausführung

EpisodeOfCare ist organisationsgebunden. Eine Line of Therapy, die sektorübergreifend läuft (z. B. stationäre neoadjuvante Systemtherapie → ambulantes adjuvantes Pembrolizumab), zerfällt daher organisatorisch in mehrere Episoden — ohne dass die Linie ihre Identität verliert:

  • Die führende Episode (main contributor — typischerweise die koordinierende Stelle, z. B. das Tumorzentrum) trägt die EnLiST-Designation (enlist-lot) samt gemeinsamer lineIdgenau einmal je Linie.
  • Ausführende Einrichtungen dokumentieren autonom eigene Episoden und markieren sie als Segmente (enlist-line-segment) mit derselben lineId — ohne eigene Designation.
  • Bei gleichem Ort und Sektor fallen Führung und Ausführung in einer einzigen Episode zusammen (der Normalfall, z. B. im mCRC-Beispiel). Die Wahl der Form trifft die dokumentierende Stelle — kein Automatismus.

Die LoT-Zählung bleibt damit trivial: Gezählt werden ausschließlich Träger von enlist-lot; Segmente können nie doppelt zählen.

Anschluss an Versorgungskontakte (ISiK/KBV) und MII-Prozeduren

Findet die vorgeschlagene Therapielinien-Modellierung Zustimmung, ist sie der Andockpunkt in beide Richtungen der Versorgungsdokumentation:

  • Kontakte aus der Versorgung: Encounter aus dem Krankenhausumfeld (ISiK) wie aus der vertragsärztlichen Versorgung (KBV) verweisen über das Standard-Element Encounter.episodeOfCare auf die jeweilige (Segment-)Episode — die einzelnen Kontakte hängen sich an die Linie, ohne dass dieser Leitfaden Encounter selbst profilieren muss (bewusst out of scope).
  • MII-Prozeduren: Die im MII KDS Onkologie als Procedure mit performedPeriod modellierten Therapieblöcke — systemische Therapie, Strahlentherapie und Operationen — bleiben unverändert und werden verkabelt: über die Standard-Extension workflow-episodeOfCare (Procedure → Episode) bzw. im MII-only-Pfad direkt über enlist-lot/enlist-line-segment an der Procedure selbst (die MII-SYST-Procedure trägt Intention, Stellung zur OP und Zeitraum ohnehin bereits — die LoT-Angabe fügt sich dort nativ ein).

So entsteht die durchgehende Kette Kontakt (Encounter) → Segment/Episode → Linie (LoT) → Ziel — von der einzelnen Ambulanz-Sitzung bis zur strategischen Therapieintention.

Episode ≠ Prozedur ≠ Kontakt

Wichtige Abgrenzung am Beispiel Chirurgie: Die Operation selbst ist ein punktuelles Ereignis (Procedure). Die perisurgische Reise dagegen — Planung, Aufklärung/Consent, Eingriff, postoperativer Aufenthalt, Rehabilitation, postoperatives Monitoring — erstreckt sich über mehrere Kontakte (Encounter) und ist die Behandlungsepisode. Kurz: EpisodeOfCare (Periode) ≠ Procedure (Ereignis) ≠ Encounter (einzelner Kontakt).

Verknüpfung mit dem Versorgungsplan

Die Behandlungsepisode wird mit dem Behandlungsplan über die Standard-Extension workflow-episodeOfCare verknüpft (direkt am CarePlan, Reference(EpisodeOfCare)) — nicht über CarePlan.encounter (das nur den erstellenden Kontakt bezeichnet). Encounter selbst ist bewusst außerhalb des Scopes dieses Leitfadens.

Zielmodell. Das generelle Behandlungsepisode-Profil (Art über type, art-spezifische Angaben in Extensions) löst das aktuell auf aktive Therapie verengte Profil OnkoTherapyLine ab und wird im laufenden Ausbau umgesetzt. Die EnLiST-Konformität der systemischen Linien bleibt dabei erhalten.

Beispiele

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