Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie
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Therapieziele (Goals)

Therapieziele — worum es in diesem Leitfaden geht

Ein Therapieziel ist der gemeinsam von Patient:in und Behandlungsteam festgelegte, angestrebte Zustand einer onkologischen Behandlung. Es ist der zentrale Gegenstand dieses Leitfadens und wird als FHIR-Goal im Profil OnkoTherapyGoal abgebildet.

Ein Therapieziel beantwortet nichtwas wird getan" (das sind Maßnahmen wie ServiceRequest/MedicationRequest), sondern „was soll erreicht werden". Die Zielart wird codiert aus OnkoTherapyGoalType: Heilung, Lebensverlängerung, Symptomkontrolle, Lebensqualität, Funktionserhalt. Studienteilnahme ist bewusst keine Zielart — sie ist ein Mittel (investigationale Therapielinie, iLoT nach EnLiST), kein patientenseitiger Zielzustand.

Zielart ist nicht Therapieintention — zwei Achsen

Die Zielart (Goal.category) und die Therapieintention (OnkoTherapyIntent, SNOMED-Hierarchie 362961001 | Procedure by intent) beantworten verschiedene Fragen und dürfen nicht vermengt werden:

  Therapieintention Zielart
Frage Mit welcher Ausrichtung wird behandelt? Welcher Zustand soll erreicht werden?
Perspektive Prozedur / Therapielinie Patient:in / Outcome
Werte kurativ, palliativ, neoadjuvant, adjuvant, supportiv Heilung, Lebensverlängerung, Symptomkontrolle, Lebensqualität, Funktionserhalt
Ort Extension an Episode (Pflicht), Plan, Ziel Goal.category

Die Achsen korrelieren, sind aber nicht redundant: Im mCRC-Szenario bleibt die Intention palliativ, während die Zielart zwischen Lebensverlängerung und Erhaltung wechselt; im Mamma-Szenario trägt die neoadjuvante Linie das kurative Gesamtziel. Eine Achse allein könnte beides nicht ausdrücken.

Für die patientenzentrierten Zielarten gilt: Die Kategorie folgt der Erfassungsebene, nicht dem Instrument. Symptombezogen erfasst (Skala oder erfragte Symptomlast) → Symptomkontrolle; auf eine konkrete, benennbare Funktion oder Struktur bezogen → Funktionserhalt; global patientenberichtet — per standardisiertem PROM oder strukturiertem Interview (z. B. SEIQoL-DW, Zielklärungsgespräch) → Lebensqualität. Für ein gegebenes target ist damit genau eine Kategorie richtig; die Kombination mehrerer Kategorien an einem Ziel bleibt möglich, wo tatsächlich mehrere Zielzustände verfolgt werden (z. B. Heilung und Brusterhalt).

Funktionserhalt ist dabei ein patientenpriorisiertes Ziel, das die Auswahl der Maßnahmen in beide Richtungen steuern kann — Deeskalation der Operation (Kontinenz-, Larynxerhalt) ebenso wie Intensivierung der Vortherapie (neoadjuvante Systemtherapie, die den Brusterhalt erst ermöglicht) — und dessen Erreichen eigenständig nachgehalten wird: Es kann scheitern (not-achieved), während das kurative Ziel weiter verfolgt wird.

Die semantische Verankerung der Zielarten in SNOMED CT (Zielzustands-Konzepte, nicht Intent-Qualifier) dokumentiert die ConceptMap Zielarten → SNOMED CT.

Das Ziel ist primär — der Plan folgt

Ein Goal ist eine eigenständige Ressource, die dem Versorgungsplan vorausgeht: Zuerst wird — im Rahmen der Therapieempfehlung (siehe unten) — das Ziel festgelegt, dann folgt der CarePlan zu seiner Erfüllung. CarePlan.goal ist daher eine Verfolgungs-Referenz, kein Besitz: derselbe Zielgegenstand kann von mehreren Plänen verfolgt werden, und das Ziel „gehört" keinem einzelnen Plan.

Dieses Muster ist an den HL7 US MCC eCare Plan angelehnt: das Therapieziel ist ein referenzierbares, eigenständiges Steuerobjekt.

Zwei Ebenen: übergeordnetes Ziel und Episodenziele

Therapieziele treten auf zwei Ebenen auf:

  • Übergeordnetes Behandlungsziel — genau ein zu jedem Zeitpunkt aktives Ziel, das die strategische Ausrichtung trägt: kurativ vs. palliativ. Es repräsentiert „worauf die Gesamtbehandlung hinauswill".
  • Episodenziele — optionale, spezifischere Ziele, die einem konkreten Behandlungsabschnitt zugeordnet sind (z. B. „pathologische Komplettremission unter neoadjuvanter Therapie" oder „Rezidivfreiheit in der Nachsorge").

Die Zielart des übergeordneten Ziels wird durch die Extension OnkoTherapyIntent präzisiert (kurativ, neoadjuvant, adjuvant, Erhaltung, palliativ, supportiv).

Zwei Ebenen der Therapieziele und der Strategiewechsel Ebene 1: genau ein aktives uebergeordnetes Behandlungsziel je Zeitpunkt; beim Strategiewechsel (Progress) wird es abgeschlossen und durch ein neues ersetzt (replacement). Ebene 2: optionale Episodenziele je Behandlungsabschnitt, bei erfolgreichem Abschluss als Journey verkettet (successor). Unten der Zeitpfeil. Ebene 1 — übergeordnetes Behandlungsziel (genau ein aktives je Zeitpunkt) Übergeordnet: kurativ Heilung angestrebt abgeschlossen: cancelled + not-attainable replacement Übergeordnet: palliativ Lebensverlängerung · Symptomkontrolle Progress Ebene 2 — Episodenziele (optional, dem Behandlungsabschnitt zugeordnet) Tumorverkleinerung neoadjuvant Rezidivfreiheit Nachsorge Symptomkontrolle 1. palliative Linie Zeit Strategiewechsel (Progress): das übergeordnete Ziel wird abgeschlossen und durch ein neues ersetzt (replacement) — die Historie „erst kurativ, dann palliativ“ bleibt erhalten. Erfolgreiche Ziele verketten sich als Journey (successor). Ziel successor (Journey) replacement (Pivot) klinisches Ereignis

Zielmodell. Die saubere Trennung „ein aktives übergeordnetes Ziel + optionale Episodenziele" sowie die Behandlung eines Strategiewechsels (s. u.) sind architektonisch festgelegt und werden im laufenden Ausbau des Profilsatzes umgesetzt.

Über die Onkologie hinaus — weitere Intentionen und Entitäten

Die oben genannten Zielarten und die Intentionen kurativ/palliativ sind nicht abschließend. Andere Entitäten kennen weitere, spezialisierte Intentionen bzw. Behandlungsphasen — hämatologische Erkrankungen etwa Induktion, Konsolidierung und Erhaltungstherapie. Zielart und Intention sind deshalb bewusst offen (extensible) kodiert.

Der zugrunde liegende Aufbau — ein übergeordnetes Ziel plus Phasen-/Episodenziele — ist erkrankungsübergreifend tragfähig. Für ausgewählte weitere Erkrankungen zeigen eigene Seiten denselben Aufbau mit entitätsspezifischen Werten: Diabetes mellitus, Asthma bronchiale, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und rheumatoide Arthritis. Sie illustrieren die Bandbreite der Phasenlogik — von Frühphasen-Remission plus paralleler Dauerkontrolle (Diabetes) über Step-up/Step-down (Asthma) bis Induktion→Erhalt (CED, Rheuma) — und, am Diabetes, wie das digitale DMP diese Ziele samt patientenberichteter Messgrößen bereits kodifiziert.

Ein Strategiewechsel ersetzt das Ziel — er ändert es nicht

Die strategische Intention ist nicht stabil: Eine kurativ behandelte Erkrankung kann bei Progress in eine palliative Situation übergehen. Ein solcher Wechsel ist ein klinisch hochbedeutsames, nachvollziehbar zu dokumentierendes Ereignis.

Deshalb wird das übergeordnete Ziel bei einem Wechsel nicht in-place geändert, sondern abgeschlossen und durch ein neues ersetzt (verknüpft über die Ziel-Beziehung replacement/successor). So bleibt die Aussage „erst wurde Heilung angestrebt, dann Palliation" als Historie erhalten — statt in einem überschriebenen Feld verloren zu gehen.

Die Intention wird bei der Therapieempfehlung gesetzt

Der entscheidende Punkt: Die strategische Intention (kurativ/palliativ) wird dort festgelegt, wo die Therapie empfohlen wird — typischerweise im interdisziplinären Tumorboard, nachdem die Diagnostik die für Grading und Staging nötige Information geliefert hat. Das Board synthetisiert aus Leitlinien, Studien, internen SOPs und Expertenmeinung eine Empfehlung; im Zuge dieser Empfehlung — und der anschließenden partizipativen Entscheidungsfindung mit der Patient:in — entsteht das übergeordnete Behandlungsziel.

Daraus folgt eine wichtige Unterscheidung, die die nächste Seite entfaltet: die Empfehlung (was das Board vorschlägt) und die tatsächliche Behandlung (was — ggf. an anderen Einrichtungen — umgesetzt wird) sind verschiedene Gegenstände mit unterschiedlicher Detailtiefe und zeitlicher wie organisatorischer Entkopplung.

→ Weiter: Empfehlungs- und Behandlungsplan

Beispiele