Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie
1.0.0-ballot - Ballot
Germany
Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie - Local Development build (v1.0.0-ballot) built by the FHIR (HL7® FHIR® Standard) Build Tools. See the Directory of published versions
Ein Therapieziel wird messbar, indem es einen oder mehrere Zielwerte trägt. FHIR
Goal.target gliedert das in drei Elemente:
target.measure — die Messgröße, an der die Zielerreichung beurteilt wird
(codiert, z. B. LOINC/SNOMED). „Woran erkennt man, ob das Ziel erreicht ist?"target.detail[x] — der angestrebte Wert bzw. Wertebereich der Messgröße.
„Welcher Wert gilt als Zielerreichung?"target.due[x] — der Zieltermin bzw. die Frist.Ein Ziel kann mehrere Targets tragen (z. B. Krankheitsstatus und Bildgebung und Funktion).
Diese messbare target-Logik betrifft vor allem die
Episodenziele der einzelnen Therapieepisoden — dort werden
konkrete klinische Parameter (Krankheitsstatus, Staging, Ansprechen …) als Zielgröße
gesetzt.
Das übergeordnete Behandlungsziel trägt dagegen in der Regel keine messbare Zielgröße, sondern die strategische Intention (kurativ vs. palliativ). Deren Festlegung ist kein Laborwert, sondern eine klinische Einordnung — abhängig von der Krebsindikation und davon, ab welchem Staging/Grading eine kurative Behandlung (z. B. Operabilität/Resektabilität) nicht mehr möglich ist.
Sauber zu trennen sind der angestrebte Wert und das beobachtete Ergebnis:
Goal.target ist der Zielwert (die Absicht). Derselbe Zielwert darf über
mehrere Ziele gleich sein — Behandlungs- und Nachsorgeziel können denselben
Krankheitsstatus anstreben, weil die Absicht über Heilung → Surveillance durchläuft.Goal.outcomeReference ist das Ergebnis — die evidenzierende Observation. Sie
ist pro Ziel eigen und phasengerecht und bleibt leer, solange kein Ergebnis
beobachtet wurde.Goal.achievementStatus verwendet nur Zustands-Codes: in-progress, achieved,
not-achieved, not-attainable. Die Trajektorie („besser/schlechter",
Tumoransprechen) wird nicht hier abgelegt — das Feld ist einwertig und ohne
Historie, und „verbessert gegenüber was?" (Baseline vs. Nadir) ist ohne Bezugspunkt
nicht bestimmbar. Ansprechen und Verlauf liegen deshalb in den
outcomeReference-Observations (z. B. RECIST, mCODE Cancer Disease Status), die
zeitgestempelt sind und ihren Bezugspunkt selbst definieren.
Diese Messgrößen gelten generell, nicht nur für ein einzelnes Szenario — das Mamma-Szenario dient hier lediglich der Illustration (nicht damit gleichsetzen). Einige sind entitätsspezifisch (z. B. ER/PR/HER2 und das Nottingham-Grading beim Mammakarzinom, Arm-/Lymphödem-Status nach Axilla-Eingriff), andere allgemein (TNM, Stadiengruppe, Krankheitsstatus):
| Ziel-Phase | Messgröße (target.measure) |
Code |
|---|---|---|
| Diagnostik | Klinisches TNM (cT / cN / cM) | LOINC 21905-5 / 21906-3 / 21907-1 |
| Diagnostik | Stadiengruppe (klinisch) | LOINC 21908-9 |
| Diagnostik | Östrogen-/Progesteronrezeptor, HER2 | LOINC 40556-3 / 85339-0 / 48676-1 |
| Diagnostik | Grading (Nottingham) | LOINC 44648-4 |
| Behandlung (kurativ) | Stadiengruppe (Ansprechen → pCR) | LOINC 21908-9 |
| Nachsorge | Krankheitsstatus / Rezidivfreiheit | LOINC 21976-6 |
| Nachsorge | Arm-/Schulterfunktion, Lymphödem | Freitext (measure.text) |
| Nachsorge | Lebensqualität (PROM, EORTC QLQ-C30/BR23) | Freitext, Anbindung via PCO |
Das zugehörige Ergebnis wird als Verlaufs-Observation geführt, z. B. der
Krankheitsstatus „kein Tumornachweis" (LOINC 97509-4, SNOMED 260415000 Not
detected), und über outcomeReference auf das jeweilige Ziel bezogen.
Hinweis. Nicht jede Messgröße muss codiert sein — wo (noch) kein passender Code existiert (Funktion, PROM), ist
measure.textzulässig. Für patientenberichtete Endpunkte ist die Anbindung an das PCO IG vorgesehen, statt sie hier eigen zu modellieren.
Welche Größe ein Ziel misst, ist keine zeitlose Konstante, sondern folgt dem jeweils gültigen Leitlinienstand — und der ändert sich. Beispiel: In der rheumatoiden Arthritis war der DAS28 (ein zusammengesetzter Aktivitäts-Punktwert) lange die Remissions-Messgröße; das EULAR-2025-Update rät davon ausdrücklich ab (der DAS28 überschätzt Remission unter modernen Entzündungshemmern wie IL-6-/JAK-Hemmern) und stellt auf die ACR-EULAR-Kriterien (Boolean) bzw. SDAI/CDAI um (siehe Rheumatoide Arthritis).
Entscheidend: Nicht alle stellen gleichzeitig um. Register, Standorte und Systeme sind zu jedem Zeitpunkt auf unterschiedlichem Leitlinienstand — alte und neue Messgröße koexistieren. Eine „Remission" nach DAS28 ist nicht dieselbe wie eine nach ACR-EULAR; ohne Herkunftsangabe vergleicht man Unvergleichbares.
Das Muster ist nicht RA-spezifisch — dieselbe Verschiebung zeigt sich quer durch die weiteren Entitäten: HbA1c → kardiorenaler Endpunkt / Time-in-Range (Diabetes), SABA → antiinflammatorischer Reliever (Asthma) und symptombasiert → Calprotectin/Endoskopie (CED). In allen Fällen laufen Alt- und Neu-Größe eine Zeit lang parallel.
Für die Modellierung folgt daraus zweierlei:
target.measure ist versionsabhängig und austauschbar, kein hartkodierter Wert.
Die Zielgröße trägt ihren Herkunfts- und Gültigkeitskontext mit (welche Leitlinie,
welche Fassung).relatedArtifact / instantiatesCanonical,
siehe Analysebericht) — statt einen Zahlenwert als zeitlose
Wahrheit zu behaupten. So bleiben parallele Stände unterscheidbar und vergleichbar.Nicht jedes klinische Verfahren ist eine geeignete Zielgröße. Eine
Nachsorge-Mammographie etwa ist ein Verfahren zur Beurteilung, kein
Endpunkt — der Endpunkt ist der Krankheitsstatus / die Rezidivfreiheit (LOINC
21976-6), den die Mammographie feststellen hilft. target.measure trägt den
gemessenen Zielzustand, nicht die Modalität, mit der er erhoben wird (die
Mammographie selbst gehört als geplante Maßnahme in einen ServiceRequest).
| Zweck | Messgröße | Code (LOINC) |
|---|---|---|
| Ansprechen (neoadjuvant) | Tumorgröße, max. Durchmesser (mm) | 33728-7 |
| Chirurgisches Ergebnis | Resektionsstatus (R0/R1/R2) | 84892-9 |
| Toxizitäts-/Labormonitoring | Leukozyten (z. B. Leukopenie) | 6690-2 |
| Tumormarker-Monitoring | PSA (Prostata) | 2857-1 |
| Tumormarker-Monitoring | CA-125 (Ovar) | 10334-1 |
| Tumormarker-Monitoring | CEA (gastrointestinal) | 2039-6 |
| Tumormarker-Monitoring | CA 15-3 (Mamma) | 6875-9 |
Tumormarker sind vor allem im Verlaufsmonitoring relevant; ihr sinnvoller Einsatz ist entitäts- und situationsabhängig (Marker × Entität × Situation). So ist CA-125 beim Ovarialkarzinom ein etablierter Monitoring-Endpunkt (GCIG-CA-125- Ansprech-/Progressionskriterien), während die routinemäßige CA-15-3-Bestimmung in der asymptomatischen kurativen Mamma-Nachsorge leitlinienkonform nicht empfohlen wird. CA-125 ist dabei der Ovarial-, CA 15-3 der Mamma-Marker — nicht austauschbar.
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