Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie
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Empfehlungs- und Behandlungsplan

Auf der vorigen Seite wurde deutlich: die Therapieintention entsteht bei der Empfehlung (Tumorboard). Daraus folgt eine Unterscheidung, die für die gesamte Modellierung tragend ist — das Empfohlene und das tatsächlich Erbrachte sind verschiedene Gegenstände.

Zwei Rollen des CarePlan

  • EmpfehlungsCarePlan — die vom Tumorboard nach abgeschlossener Diagnostik synthetisierte Empfehlungsliste. Sie enthält die empfohlenen Maßnahmen als Vorschläge (TumorboardMedicationRequest, TumorboardServiceRequest, jeweils mit intent = proposal) und trägt das übergeordnete Behandlungsziel.
  • BehandlungsCarePlan — der Plan der tatsächlich erbrachten Versorgung eines konkreten Behandlungsabschnitts. Er trägt das jeweilige Episodenziel und die real durchgeführten bzw. konkret geplanten Maßnahmen.
Empfehlungs- und Behandlungsplan: zwei Rollen des CarePlan Links die grobkoernige Empfehlung des Tumorboards (EmpfehlungsCarePlan, intent proposal) mit uebergeordnetem Ziel; rechts feinkoernige Behandlungsplaene autonomer Leistungserbringer (intent order) mit Episodenzielen. Verbunden ueber basedOn auf Plan- und Request-Ebene; bewusst kein partOf. Empfehlung — Tumorboard Behandlung — autonome Leistungserbringer Tumorboard CareTeam EmpfehlungsCarePlan intent: proposal — grobkörnig verfolgt: übergeordnetes Ziel (kurativ) Empfehlung: platinbasierte Chemo + Checkpoint-Inhibitor — proposal Empfehlung: Operation — proposal BehandlungsCarePlan ① neoadjuvante Systemtherapie — custodian: Klinik A verfolgt: Ziel Tumorverkleinerung (→ OP) MedicationRequest — order: Carboplatin AUC5 + Pembrolizumab q3w Anbindung: Apotheke · Terminbuchung BehandlungsCarePlan ② Operation — custodian: andere Einrichtung (Klinik B) verfolgt: Ziel R0-Resektion · ypCR ServiceRequest: Operation — order basedOn basedOn Request.basedOn kein partOf — keine zentrale Steuerung der Behandlungsplan erfüllt die Empfehlung; zeitlich und organisatorisch entkoppelt (eigener custodian je Plan) Modellierungs-Hinweis: activity.detail vs. eigenständige Requests Die Empfehlungen könnten theoretisch inline im Plan liegen (CarePlan.activity.detail) — intersektoral ist die Profilierung als Empfehlungs-ServiceRequest / Empfehlungs-MedicationRequest sinnvoller: referenzierbar, einzeln erfüllbar (Request.basedOn) und über Einrichtungsgrenzen austauschbar. Plan Ziel-Referenz Maßnahme / Request Akteur / Hinweis Eine Empfehlung — mehrere Behandlungspläne: Umsetzung an verschiedenen Einrichtungen, verbunden über basedOn.

Unterschiedliche Detailtiefe

Der Empfehlungsplan ist bewusst grobkörnig: „welche Strategie, welche Modalitäten, welches Ziel". Der Behandlungsplan ist feinkörnig: „welche Substanz in welcher Dosis, welcher Eingriff, an welcher Einrichtung, mit welchem Ergebnis". Ein und dieselbe Board-Empfehlung („neoadjuvante Systemtherapie, dann Operation") kann sich in mehreren Behandlungsplänen niederschlagen.

Beispiel Detailtiefe. Der Empfehlungsplan kann eine Systemtherapie auf Wirkstoffklassen-Ebene empfehlen (z. B. „platinbasierte Chemotherapie + Checkpoint-Inhibitor"). Der Behandlungsplan legt daraus — je nach internen Abläufen, Verfügbarkeit und Vortherapien — die konkreten Wirkstoffe, Dosis und Schema fest. An dieser feinkörnigen Stelle kann der Behandlungsplan zudem mit operativen Systemen verknüpft werden: Anbindung an Apotheken-/Bestellsysteme (Medikations- versorgung) und Terminbuchungssysteme (Applikations-/Eingriffstermine). Der Empfehlungsplan bleibt davon unberührt.

Zeitliche und organisatorische Entkopplung

Empfehlung und Umsetzung fallen zeitlich auseinander (die Empfehlung entsteht am Board-Termin, die Umsetzung zieht sich über Wochen bis Monate und mehrere Phasen) und organisatorisch (die Umsetzung erfolgt ggf. an anderen Einrichtungen als der diagnostizierenden — Klinik, niedergelassene Onkologie, Reha). Jeder Behandlungsplan trägt daher seine eigene verantwortliche Stelle (custodian).

Verknüpfung: basedOn, nicht partOf

Der Behandlungsplan erfüllt die Empfehlung — er ist ihr nicht untergeordnet. Modelliert wird das über CarePlan.basedOn (Behandlung → Empfehlung), die Umsetzung einzelner Empfehlungen zusätzlich auf Request-Ebene (der ausgeführte ServiceRequest/MedicationRequest trägt .basedOn → den Empfehlungs-Request).

Bewusst nicht verwendet wird CarePlan.partOf: Dieses würde eine zentrale Steuerinstanz unterstellen, die in der deutschen intersektoralen Versorgung nicht existiert. Autonome Leistungserbringer planen eigenständig und erfüllen die Empfehlung — sie sind keinem Masterplan untergeordnet.

Zielmodell. Die Trennung in EmpfehlungsCarePlan und BehandlungsCarePlan ist architektonisch festgelegt und wird im laufenden Ausbau des Profilsatzes umgesetzt. Aktuell bildet der OnkoCarePlan das zentrale Steuerobjekt; die Board-Empfehlungen sind bereits über die Tumorboard-Request-Profile ausgezeichnet (LOINC 85232-7, Tumor board Consult note).

Bezug auf etablierte Protokolle

Ein Behandlungsplan bezieht sich in der Realität häufig auf ein etabliertes Protokoll — eine Leitlinie, ein Studienprotokoll oder eine interne SOP. Ein solches Protokoll soll als Referenz verlinkbar sein: FHIR bietet dafür instantiatesCanonical (wenn das Protokoll als computable PlanDefinition vorliegt — CPG-Primärpfad, s. Analysebericht) bzw. instantiatesUri/Identifier für nicht-computable Protokolle.

Zwei Vorlagen-Ebenen, die zusammenspielen. Computable Clinical Guidelines (CPG-on-FHIR) wirken als Empfehlungsvorlagen und speisen den Empfehlungsplan („was ist leitliniengerecht zu empfehlen?"); ein Protokollkatalog (systemische Regime/Protokolle) wirkt als Behandlungsvorlage und speist den Behandlungsplan („welches Schema wird konkret ausgeführt?"). Beide sind PlanDefinition-Vorlagen, die der jeweilige Plan via instantiatesCanonical referenziert — Leitlinie auf Empfehlungs-, Protokoll auf Behandlungsebene. CPG und Katalog konkurrieren nicht, sondern ergänzen sich.

Aktuelle Lücke. Für systemische onkologische Protokolle existiert derzeit keine normative, interoperable Abbildung und kein offizieller Katalog. Der Bezug erfolgt bis dahin interimistisch über URI/Identifier (Leitlinien-/Studien-ID, Text). Ein normativer Katalog wird voraussichtlich ab Q4 2026 von der PHOENIX-Initiative zur Unterstützung des European Common Cancer Model bereitgestellt; dessen Anbindung ist vorgesehen, sobald verfügbar.

Abdeckung des Katalogs. Der Katalog wird zunächst v. a. systemische Chemo-/ Targeted-Protokolle umfassen. Nicht-chemo-systemische Therapien (z. B. Apherese/ Blutwäsche, Elektrotherapien), die genaue Operationsdurchführung, Vor- und Nachsorge sowie die Strahlentherapie sind vorerst nicht abgedeckt — sie können bei Bedarf künftig in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Fachgesellschaften erarbeitet und ergänzt werden.

Beispiele

  • mCRC (palliativ) — Board-Empfehlung (FOLFOX + Bevacizumab, Portanlage) und übergeordnetes Ziel im Zusammenspiel.
  • Mammakarzinom (neoadjuvant) — Empfehlung neoadjuvante Systemtherapie + Operation, umgesetzt über mehrere Abschnitte.

→ Weiter: Behandlungsepisoden (EpisodeOfCare)