Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie
1.0.0-ballot - Ballot
Germany
Implementierungsleitfaden Therapieziele Onkologie - Local Development build (v1.0.0-ballot) built by the FHIR (HL7® FHIR® Standard) Build Tools. See the Directory of published versions
Auf der vorigen Seite wurde deutlich: die Therapieintention entsteht bei der Empfehlung (Tumorboard). Daraus folgt eine Unterscheidung, die für die gesamte Modellierung tragend ist — das Empfohlene und das tatsächlich Erbrachte sind verschiedene Gegenstände.
CarePlanTumorboardMedicationRequest,
TumorboardServiceRequest,
jeweils mit intent = proposal) und trägt das übergeordnete Behandlungsziel.Der Empfehlungsplan ist bewusst grobkörnig: „welche Strategie, welche Modalitäten, welches Ziel". Der Behandlungsplan ist feinkörnig: „welche Substanz in welcher Dosis, welcher Eingriff, an welcher Einrichtung, mit welchem Ergebnis". Ein und dieselbe Board-Empfehlung („neoadjuvante Systemtherapie, dann Operation") kann sich in mehreren Behandlungsplänen niederschlagen.
Beispiel Detailtiefe. Der Empfehlungsplan kann eine Systemtherapie auf Wirkstoffklassen-Ebene empfehlen (z. B. „platinbasierte Chemotherapie + Checkpoint-Inhibitor"). Der Behandlungsplan legt daraus — je nach internen Abläufen, Verfügbarkeit und Vortherapien — die konkreten Wirkstoffe, Dosis und Schema fest. An dieser feinkörnigen Stelle kann der Behandlungsplan zudem mit operativen Systemen verknüpft werden: Anbindung an Apotheken-/Bestellsysteme (Medikations- versorgung) und Terminbuchungssysteme (Applikations-/Eingriffstermine). Der Empfehlungsplan bleibt davon unberührt.
Empfehlung und Umsetzung fallen zeitlich auseinander (die Empfehlung entsteht am
Board-Termin, die Umsetzung zieht sich über Wochen bis Monate und mehrere Phasen) und
organisatorisch (die Umsetzung erfolgt ggf. an anderen Einrichtungen als der
diagnostizierenden — Klinik, niedergelassene Onkologie, Reha). Jeder Behandlungsplan
trägt daher seine eigene verantwortliche Stelle (custodian).
basedOn, nicht partOfDer Behandlungsplan erfüllt die Empfehlung — er ist ihr nicht untergeordnet.
Modelliert wird das über CarePlan.basedOn (Behandlung → Empfehlung), die
Umsetzung einzelner Empfehlungen zusätzlich auf Request-Ebene (der ausgeführte
ServiceRequest/MedicationRequest trägt .basedOn → den Empfehlungs-Request).
Bewusst nicht verwendet wird CarePlan.partOf: Dieses würde eine zentrale
Steuerinstanz unterstellen, die in der deutschen intersektoralen Versorgung
nicht existiert. Autonome Leistungserbringer planen eigenständig und erfüllen die
Empfehlung — sie sind keinem Masterplan untergeordnet.
Zielmodell. Die Trennung in
EmpfehlungsCarePlanundBehandlungsCarePlanist architektonisch festgelegt und wird im laufenden Ausbau des Profilsatzes umgesetzt. Aktuell bildet derOnkoCarePlandas zentrale Steuerobjekt; die Board-Empfehlungen sind bereits über die Tumorboard-Request-Profile ausgezeichnet (LOINC85232-7, Tumor board Consult note).
Ein Behandlungsplan bezieht sich in der Realität häufig auf ein etabliertes
Protokoll — eine Leitlinie, ein Studienprotokoll oder eine interne SOP. Ein solches
Protokoll soll als Referenz verlinkbar sein: FHIR bietet dafür
instantiatesCanonical (wenn das Protokoll als computable PlanDefinition vorliegt —
CPG-Primärpfad, s. Analysebericht) bzw.
instantiatesUri/Identifier für nicht-computable Protokolle.
Zwei Vorlagen-Ebenen, die zusammenspielen. Computable Clinical Guidelines
(CPG-on-FHIR) wirken als Empfehlungsvorlagen und speisen den Empfehlungsplan
(„was ist leitliniengerecht zu empfehlen?"); ein Protokollkatalog (systemische
Regime/Protokolle) wirkt als Behandlungsvorlage und speist den Behandlungsplan
(„welches Schema wird konkret ausgeführt?"). Beide sind PlanDefinition-Vorlagen, die
der jeweilige Plan via instantiatesCanonical referenziert — Leitlinie auf
Empfehlungs-, Protokoll auf Behandlungsebene. CPG und Katalog konkurrieren nicht,
sondern ergänzen sich.
Aktuelle Lücke. Für systemische onkologische Protokolle existiert derzeit keine normative, interoperable Abbildung und kein offizieller Katalog. Der Bezug erfolgt bis dahin interimistisch über URI/Identifier (Leitlinien-/Studien-ID, Text). Ein normativer Katalog wird voraussichtlich ab Q4 2026 von der PHOENIX-Initiative zur Unterstützung des European Common Cancer Model bereitgestellt; dessen Anbindung ist vorgesehen, sobald verfügbar.
Abdeckung des Katalogs. Der Katalog wird zunächst v. a. systemische Chemo-/ Targeted-Protokolle umfassen. Nicht-chemo-systemische Therapien (z. B. Apherese/ Blutwäsche, Elektrotherapien), die genaue Operationsdurchführung, Vor- und Nachsorge sowie die Strahlentherapie sind vorerst nicht abgedeckt — sie können bei Bedarf künftig in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Fachgesellschaften erarbeitet und ergänzt werden.
→ Weiter: Behandlungsepisoden (EpisodeOfCare)