Kerndatensatz Senologie
0.9.0 - ci-build

Kerndatensatz Senologie - Local Development build (v0.9.0) built by the FHIR (HL7® FHIR® Standard) Build Tools. See the Directory of published versions

IPS-Prepopulation

IPS/EPS-Prepopulation

Dieses Kapitel dokumentiert, welche Datenpunkte der senologischen Dokumentation potenziell aus einer International Patient Summary (IPS) bzw. European Patient Summary (EPS) vorbelegt werden können.

Hintergrund

Die Allgemeine Anamnese im Brustzentrum erhebt umfangreiche Daten zu Vorerkrankungen, Medikation, Allergien und sozialem Hintergrund. Viele dieser Informationen liegen bei Patientinnen mit bestehender digitaler Gesundheitsakte bereits strukturiert vor — insbesondere über die IPS, die als FHIR-Dokument (Bundle) standardisiert ist.

Eine Vorbelegung (Prepopulation) dieser Felder kann:

  • Dokumentationsaufwand für Kliniker und Patientinnen reduzieren
  • Datenqualität verbessern (kodierte Vorerkrankungen statt Freitext)
  • Internationale Patientinnen unterstützen, deren Vorbefunde über die EPS bereitgestellt werden

Prepopulation-Modell

Die Vorbelegung ist nicht deterministisch — sie liefert Vorschläge, die klinisch bestätigt oder korrigiert werden müssen:

  • IPS-Daten können veraltet oder unterschiedlich granular sein
  • Die klinische Fragestellung ist oft spezifischer als die IPS-Dokumentation (z.B. "Bluthochdruck" vs. "welche Herz-Kreislauf-Erkrankung genau?")
  • Kodierungssysteme können abweichen (IPS: ICD-10-WHO/SNOMED CT, Dokumentationssystem: teils lokale Codes)

Technisch kann die Vorbelegung über sdc-questionnaire-initialExpression (FHIRPath) im SDC-Questionnaire erfolgen.

Mapping: Anamnese-Felder → IPS-Sektionen

Vollständig prepopulierbar

Anamnese-Datenpunkt IPS-Sektion IPS-Ressource Anmerkung
Vorerkrankungen (Herz-Kreislauf, Atemwege, Gefäße, Neurologie, Verdauung, Haut, Rheumatologie, Nieren/Urogenital, Psyche, Infektionen, Krebs) Past Illness History Condition IPS enthält aktive und abgeschlossene Diagnosen. Granularität kann abweichen.
Allergien Allergies and Intolerances AllergyIntolerance IPS-Pflichtsektion — immer vorhanden.
Regelmäßige Medikation (Bestandsmedikation) Medications MedicationStatement IPS-Pflichtsektion. In der ePA über die ePA-Medikationsliste (eML), den Bundesmedikationsplan (BMP) und aggregierte E-Rezept-Verordnungen verfügbar. Die Bestandsmedikation (Metoprolol, L-Thyroxin etc.) muss nicht im Brustzentrum erfasst werden, sondern kann aus der ePA/KIS übernommen werden.
Voroperationen Procedure History Procedure Kodierung über SNOMED CT oder OPS.
Schwangerschaft (aktuell) Pregnancy Observation IPS-Sektion mit Status und erwartetem Entbindungsdatum.
Implantate (Metall, MRT-Fähigkeit) Medical Devices DeviceUseStatement IPS-Sektion für aktive Implantate.
Größe, Gewicht, BMI Vital Signs Observation IPS-Sektion. Aktualität prüfen.
Raucherstatus Social History Observation IPS-Sektion. Detailgrad (Pack Years, Zigaretten/Tag) variiert.
Patientenverfügung / Vorsorgevollmacht Advance Directives Consent IPS-Sektion. Inhalt und Gültigkeit prüfen.

Teilweise prepopulierbar

Anamnese-Datenpunkt IPS-Sektion Einschränkung
Alkoholkonsum Social History IPS hat Social History, aber nicht AUDIT-C-Detailgrad
Drogenkonsum Social History IPS hat Substanzgebrauch, aber nicht spezifisch
Allgemeinzustand (ECOG) Functional Status IPS hat funktionalen Status, aber nicht zwingend ECOG
Blutgerinnungsstörung Past Illness History Als Condition vorhanden, aber Detailfragen (Zahnfleischbluten, Nachblutung) fehlen
Geschlecht bei Geburt Patient Patient.gender bzw. Geburtsgeschlecht-Extension — Semantik kann abweichen

Nicht prepopulierbar (nicht in IPS)

Anamnese-Datenpunkt Grund
Menopausenstatus Nicht in IPS — wird im Senologie-Modul über Gynäkologische Anamnese erfasst
Bildungsabschluss Soziodemographisch, nicht in IPS
Beziehungsstatus Soziodemographisch, nicht in IPS
Wohnsituation Soziodemographisch, nicht in IPS
Beschäftigungsstatus Soziodemographisch, nicht in IPS
Pflegegrad DE-spezifisch, nicht in IPS
Soziale Belastungen Nicht standardisiert
Hör-/Sehbeeinträchtigung Nicht als eigene IPS-Sektion
Detailfragen (z.B. NYHA-Schweregrad bei Herzinsuffizienz, Diabetische Organschäden) IPS liefert die Diagnose, aber nicht den klinischen Detailgrad

Implikationen für den IG

Die Allgemeine Anamnese wird bewusst nicht im Scope dieses Moduls profiliert. Die Datenpunkte sind nicht senologiespezifisch und sollten aus übergreifenden Quellen (IPS/EPS, KIS-Stammdaten) übernommen werden. Das Senologie-Modul definiert lediglich die senologiespezifischen Anamnese-Profile (Gynäkologische Anamnese, Familienanamnese).

Mittelfristig sollte die Prepopulation über IPS als SDC-Feature implementiert werden:

// Beispiel: Vorbelegung Allergien aus IPS
* item[+]
  * linkId = "allergien"
  * text = "Haben Sie Allergien?"
  * type = #choice
  * extension[sdc-questionnaire-initialExpression].valueExpression
    * language = #text/fhirpath
    * expression = "%patient.reverseResolve(AllergyIntolerance.patient).exists()"

Relevante Standards

Für die Prepopulation kommen mehrere Quellen in Frage:

Standard Beschreibung Relevanz
HL7 IPS International Patient Summary — globaler Standard für Patientenzusammenfassungen Internationale Patientinnen, Forschungskontext
European Patient Summary (EPS) EU-weite Umsetzung über eHDSI/MyHealth@EU Europäische Patientinnen, grenzüberschreitende Versorgung
MIO Patientenkurzakte (PKA) Deutsche IPS-Umsetzung der KBV/mio42 für die ePA Primäre Quelle für deutsche Patientinnen — enthält Diagnosen, Medikation, Allergien, Prozeduren, Implantate
ePA Medikationsliste Bundesmedikationsplan in der ePA Medikations-Prepopulation
HL7 SDC Population SDC-Mechanismen für Questionnaire-Vorbelegung Technische Umsetzung

Die MIO PKA (Patientenkurzakte / Notfalldatensatz) ist als deutsche IPS-Umsetzung spezifiziert, aber in der Praxis noch kaum verbreitet. Die ePA 3.0 (Opt-out, ab 2025) schafft die infrastrukturelle Grundlage, jedoch fehlt bislang die breite Befüllung durch KIS und PVS. Für Zuverlegungen und neue Patientinnen wäre die ePA der natürliche Kanal, in der Praxis kommen Vorbefunde aktuell überwiegend als Arztbrief-PDF.

Langfristig werden die DE Basisprofile, ISiK und die ePA-Spezifikation die Prepopulation standardisieren. Dieses Modul definiert keine eigene Prepopulation-Logik, sondern dokumentiert lediglich, welche Felder prinzipiell vorbelegbar sind — die technische Umsetzung wird durch die übergeordneten Standards geregelt.

Referenzen