Kerndatensatz Senologie
0.9.0 - ci-build

Kerndatensatz Senologie - Local Development build (v0.9.0) built by the FHIR (HL7® FHIR® Standard) Build Tools. See the Directory of published versions

Erfassung

Anwendungsfall: Erfassung

Überblick

Die Datenerfassung im Kerndatensatz Senologie folgt dem Formular-First-Prinzip: Klinische Dokumentation erfolgt über strukturierte SDC-Questionnaires, die den gewohnten klinischen Workflow abbilden. Im Hintergrund werden die Formulardaten über Template-based Extraction automatisch in domänenbasierte FHIR-Ressourcen überführt.

Jedes Formular enthält ein oder mehrere Blueprints — contained FHIR-Ressourcen, die als Vorlage für die Extraktion dienen. Ein einzelnes Formular kann so mehrere Ziel-Ressourcen gleichzeitig erzeugen (z.B. eine Procedure und eine Observation aus einer OP-Dokumentation).

Klinischer Workflow

Die Erfassung folgt dem klinischen Versorgungspfad. Die Diagnose bildet den Ankerpunkt, an den alle weiteren Befundungen und Therapien geknüpft werden:

Klinischer Erfassungsworkflow

Klinischer Erfassungsworkflow — von der Diagnose über Befundungen und Therapie bis zur Nachsorge

Wie ein Formular funktioniert

Jedes Formular durchläuft beim Öffnen und Ausfüllen vier Phasen:

Vom Formular zu FHIR-Ressourcen: 4 Phasen

Vom Formular zu FHIR-Ressourcen — Kontextauswahl, Vorbefüllung, Dokumentation und Template-based Extraction

Phase 1 — Kontextauswahl: Beim Öffnen eines Formulars wird der Patient- und Encounter-Kontext übergeben (launchContext). Für Befundungen und Therapien wählt der Anwender die Bezugsdiagnose (und ggf. die Bezugsoperation) aus — damit ist jede Dokumentation eindeutig einer Diagnose zugeordnet.

Phase 2 — Vorbefüllung: Bestehende Patientendaten werden über initialExpression (FHIRPath) automatisch in das Formular geladen — z.B. Name, Geburtsdatum, bereits erfasste Diagnosen. Das vermeidet Doppeleingaben und sichert Konsistenz.

Phase 3 — Ausfüllen: Der Kliniker dokumentiert im Formular. Kontextabhängige Felder erscheinen dynamisch (enableWhen) — z.B. B3-Detailtyp nur bei B3-Läsion, Implantatabfrage nur bei Rekonstruktion. Terminologie-gebundene Auswahllisten (answerValueSet) sichern die korrekte Kodierung.

Phase 4 — Template-based Extraction: Beim Absenden werden die Formulardaten über Blueprints in FHIR-Ressourcen überführt. Ein Blueprint ist eine contained FHIR-Ressource im Questionnaire, die als Vorlage dient — mit Platzhaltern, die durch die Formularantworten ersetzt werden. Ein Formular kann mehrere Blueprints enthalten und so mehrere Ressourcen gleichzeitig erzeugen.

Blueprints: Vom Formular zu FHIR-Ressourcen

Ein Blueprint ist ein contained Template innerhalb des Questionnaires. Er definiert die Struktur der Ziel-Ressource und verwendet templateExtractValue-Ausdrücke, um Formularantworten in die richtigen Felder zu übernehmen.

Beispiel: Der Fragebogen Postoperative Dokumentation enthält zwei Blueprints:

Blueprint Ziel-Ressource Profil
postop-procedure-template Procedure Senologie_Operation
postop-komplikation-template Observation Senologie_Operative_Komplikation

Die Bezugsdiagnose wird aus der Kontextauswahl übernommen und automatisch als Procedure.reasonReference in die erzeugte Ressource geschrieben.

Formulare

Formular Klinischer Kontext Blueprints → Ressourcen
Erstanamnese Aufnahme, Vorgeschichte, gynäkologische Anamnese Patient, Observation, FamilyMemberHistory
Diagnose Primärdiagnose, Staging, Lokalisation Condition
Klinische Untersuchung Brustuntersuchung, Tastbefund, LK-Status Observation
Bildgebung Mammographie, Sonographie, MRT DiagnosticReport, Observation
Pathologie Histologie, Rezeptorstatus, Grading DiagnosticReport, Observation, Specimen
Tumorboard Therapieempfehlung, interdisziplinäre Konferenz CarePlan
OP-Planung Präoperative Planung, Markierung ServiceRequest
Postoperativ Intra-/postoperative Dokumentation Procedure, Device, Observation
Systemtherapie Chemo, Immun, endokrine Therapie Procedure, MedicationStatement
Strahlentherapie Bestrahlung, Dosierung Procedure
Verlauf Nachsorge, Tumorstatus, Follow-Up Observation

Formular-First: Warum?

Der Formular-First-Ansatz löst ein zentrales Problem der FHIR-Profilierung in der klinischen Praxis:

  • Kliniker denken in Formularen, nicht in FHIR-Ressourcen. Ein OP-Bericht ist ein zusammenhängendes Dokument, keine Sammlung von Procedures und Observations.
  • Formulare sichern Datenqualität durch Validierung, Pflichtfelder und kontextabhängige Anzeigelogik.
  • Blueprints machen die Extraktion transparent — die Zielstruktur ist als contained Ressource im Questionnaire sichtbar, nicht in externem Code versteckt.
  • Mehrere Ressourcen aus einem Formular — ein einziger Dokumentationsschritt kann beliebig viele FHIR-Ressourcen erzeugen, ohne dass der Kliniker davon etwas mitbekommt.
  • Bezugsdiagnose als roter Faden — alle Befundungen und Therapien referenzieren die Diagnose, die der Kliniker beim Öffnen des Formulars auswählt.

Technische Umsetzung

Die Questionnaires nutzen folgende SDC-Features:

Feature Verwendung
sdc-questionnaire-launchContext Patient- und Encounter-Kontext beim Öffnen
sdc-questionnaire-initialExpression Vorbelegung mit bestehenden Daten (FHIRPath)
sdc-questionnaire-templateExtract Verweis auf contained Blueprint(s)
sdc-questionnaire-templateExtractValue Mapping Formularantwort → Feld im Blueprint
enableWhen / enableBehavior Kontextabhängige Anzeige
answerValueSet Terminologiebindung

Quellsystem

Die Formulare werden als SDC-Questionnaires definiert und können in beliebigen FHIR-fähigen Dokumentationssystemen eingesetzt werden. Der Kerndatensatz definiert die FHIR-Zielstruktur (Profile), die Blueprints (contained Templates) und die Terminologie (ValueSets) — das Zusammenspiel dieser drei Komponenten macht die Extraktion vollständig reproduzierbar.